Melissa dankte ihm mit einem lustigen Blick, erschrak aber über die jähe Betrübnis in Walter Birds sonst so frischem und selbstbewußtem Gesicht.

»Es läßt sich nur auf eine Weise machen,« sagte sie fest, »und wenn einer von euch nicht einwilligt, dann geh' ich gerade mit dem andern. Wenn ihr aber beide einverstanden seid, dann fahr' ich den halben Weg mit dem einen und die zweite Hälfte mit dem andern. Und zwar die erste Hälfte mit dir, Walter,« setzte sie hastig hinzu, denn sie sah, daß Bird aussah, als wollte er widersprechen. Ohne es selbst zu wissen, hatte sie ein besonderes Vertrauen zu Jimmys Gleichmut, und gerade deshalb neigte sie dazu, ihm die schwerere Probe aufzuerlegen.

»Sehr anständig, Lissy, bist immer für gleiches Spiel,« stimmte Jimmy herzlich zu. »Fahre euch bis zur Ecke von Boilsweg nach, dann steigst du zu mir in den Pung. Boilsweg ist gerade die Mitte zwischen Station und Postamt.« Bird vergrub in diesem Augenblick Melissas Füße in die Decken seines wohleingerichteten Schlittens.

»Die Braune ist manchmal ein bißchen hartmäulig,« warf er über die Schulter hin. »Wenn's nach Hause geht, ist es nicht gerade leicht, sie am Boilsweg zum Halten zu bringen, Jimmy.«

Melissa hatte plötzlich einen roten Kopf. Jimmy Wright behauptete mit Recht, daß sie für ehrliches Spiel war.

»Ich steige am Boilsweg um,« sagte sie bestimmt, und Bird merkte, daß sie es sicher tun würde, ob die Stute hielt oder nicht. So gab er den Kampf auf.

»Werd' sie schon zum Halten bringen,« rief er zuversichtlich, »ob der Hafer sie sticht oder nicht! Habe das nur gesagt, um Jimmy aufzukratzen.«

»Wußte ich ja, Walter,« stimmte Melissa bei und bestätigte ihm, sie sei das einzige Mädchen, das ihn verstand. Triumphierend hob er die Zügel, und die Braune ging in einem Tempo los, das zunächst rechtfertigte, was er ihr nachgesagt. Dann fiel ihm ein, wie kurz die Strecke nach Boilsweg war, und plötzlich hielt er sie zurück. Jimmy Wrights schwerer Grauer holte im Humpelgalopp auf. Anfangs war Walter vergnügt, daß er Melissa als erster bei sich hatte. Dann fiel ihm plötzlich ein, sein Rivale würde die Schöne im Dorf einfahren, während er im leeren Schlitten hinterhertrotten mußte, als hätte er den Kampf aufgegeben. Melissa bemerkte seine veränderte Miene und machte ihm so schöne Augen, daß jetzt auch Jimmys Gesicht hinten im Pung sich verfinsterte. Die Frage war tatsächlich so schwierig, daß selbst ein gewandteres Mädchen als Melissa sie kaum gelöst hätte. Ihre eigene frohe Laune verging langsam in diesem Kampf der Gefühle um sie. Darüber wurde ihr bewußt, daß sie kalte Füße hatte und der scharfe Frost ihre Finger steif machte, und als die Ecke von Boilsweg erreicht war, hatte sie Lust, mit beiden Rittern zu grollen. Hatte sie nicht für alle Beide das Beste gewollt. Hatten die Beiden ein Recht, sie zu quälen?