Enttäuscht über das plötzliche Verschwinden eines Menschen, von dem er so viel erwartet hatte, ließ der Bär seine allzu leere Schüssel auf den Boden fallen. Das laute Klirren erschreckte ihn, und er sprang mit einem Hops zur Seite, wie ein Mädchen, das beinahe in eine Pfütze getreten wäre. Dabei aber bekam er den großen Topf mit Bohnen zu sehen, den Jimmy zum Aufwärmen vorn auf den Herd gestellt hatte. Wie gut sie rochen! Mit einem Brummen tiefer Befriedigung nahm er ein Maul voll.

Nun waren die Bohnen, ganz gewiß ein vorzügliches Gericht, nicht für ihn angerichtet. Sie waren heiß. Der Bär war erschreckt und schmerzlich berührt, als er merkte, wie heiß sie waren. Die Augen geschlossen und die Kinnbacken verkrampft, versuchte er, sie im Maul zu behalten. Aber es war zuviel für ihn. Mit einem lauten »uuh« spuckte er sie auf den Boden. Und dann warf er einen erbärmlichen Blick rund um sich, während er bald mit der einen, bald mit der anderen Tatze wehleidig seine Nase rieb. Sein Blick rührte Pat Nolan, dem gutherzigen kleinen Iren schien er ein berechtigter Vorwurf.

»Ich hab das nicht gemacht, ich nicht!« murmelte er im Ton herzlichen Bedauerns. »Es war ein gemeiner Witz, natürlich von Jimmy. Mindestens hätt' er dich warnen sollen.«

Irgend etwas in Pats Stimme schien dem Bären zu sagen, daß er bei ihm die Teilnahme finden würde, die bei dem ganzen Empfang bisher gefehlt hatte. Halb im Zweifel, aber nicht ohne Hoffnung, watschelte er quer durch den Raum auf Nolans Koje zu.

»Hab ich dir nicht gesagt, daß ich's nicht war!« protestierte Nolan leidenschaftlich. »Heiliges Ofenrohr, kann keiner von euch Kerls was tun, daß er mich in Ruhe läßt?«

»Das Gewehr rüber, Eph!« zischte Sam Oulton, der in seiner Koje krampfhaft herumgestöbert hatte. »Ich hab ein paar Patronen gefunden!«

Der Boß wollte dazwischen treten und ebenso Evan Morgan, der von Bären mehr verstand als die übrigen Holzfäller zusammen. Aber Eph Babcock hatte das Gewehr schon ergriffen, und eifrige Hände reichten es hinüber in Oultons Koje. Doch auch der Bär hatte es gesehen, und unter einem Chorus von Rufen des Staunens sprang er sofort danach. Gerade als die Flinte in Oultons Koje ankam und Oulton die Hände ausstreckte, um sie zu greifen, kam auch der Bär. Er war schneller, streckte seine schwere, schwarze Pfote aus und packte die Flinte. Oulton verschwand wieder in seinem Bette wie der Kopf einer Schildkröte in ihrer Schale. Der Bär aber nahm das Gewehr mit einem Ausdruck von Triumph über die Schulter und salutierte, stramm wie ein Soldat.

»Gott sei Dank, daß sie nicht geladen ist, Sammy,« piepste Shorty Johnson mit Fistelstimme aus dem Bett nächst der Tür. »Der Herr Oberst hätt' uns alle damit aus dem Lager 'rausgejagt.«

Der Boß und Evan Morgan – und auch der kleine Pat Nolan, der allmählich gemerkt hatte, daß mit diesem Bären was Besonderes los war, erlaubten sich, zu lachen. Die anderen aber blickten völlig verblüfft auf die unbegreifliche Vorstellung, die der schreckliche Gast ihnen gab. Für sie war es nur Zeichen einer übernatürlichen, also natürlich teuflischen Intelligenz. Sie hätten sich nicht mehr gewundert, wenn der Bär jetzt zur Tür gegangen wäre, den Patronengürtel heruntergenommen und die Waffe geladen hätte, die er so geschickt über der Schulter trug. Aber als er nicht aufhörte zu salutieren, den Rücken zur Tür, fingen sie an, zu Verstand zu kommen. Auch Sam Oulton erschien wieder auf der Bildfläche. Ohne zu bemerken, daß der Boß und Evan Morgan grinsten, steckte er den Kopf vor und schrie:

»Jetzt, Jimmy! Jetzt ist der Moment! Rasch, Mensch, setz' den Topp Bohnen draußen in den Schnee! Er geht hinterher. Dann können wir ihn draußen umbringen.«