„Du,“ sagte er, „Liebe, du, wenn ich bei dir bin, ist nichts.“
„Wir sind ja immer beieinander.“ Sie strich mit ihrer leichten Hand über sein Haar. „Komm, nun sagen wir der Mühle wieder adieu. Nun gehen wir mit dem Wind ins Land.“
Sie streckte die Arme aus, als wollte sie den Morgen umfangen. Und dann nahm sie raschen Schrittes den nächstliegenden Weg auf.
Ein Wandersmann kam ihnen entgegen. Es war ein Jüngling, der sich den ersten Bart um Lippen und Wangen wachsen ließ und aussah wie ein Krähenküken. Er hatte den Hut mit einer Metallzwecke am Rock befestigt, er trug Sandalen an den strumpflosen Füßen, und seine Brust zierte ein Wollhemd, das eine rote Krawatte noch besonders zum Ansehen aufforderte. Also ausgerüstet, dokumentierte der Vielhaarige, daß er beschlossen habe, sich mit seinen Gewohnheiten, soweit dies in einem zivilisierten Staat möglich ist, der Natur zu nähern.
„Herr Wandersmann,“ redete ihn Leonore an, „wo ist denn der schönste Weg? Wir möchten es gern wissen!“
Diese unerwartete, ungewohnte Ansprache nötigte den Jüngling, um seine Fassung bewahren zu können, sich für einen Augenblick in die Schranken der Konvenienz zurückzubegeben. Er stammelte: „Mein Name ist S—treckhorn, ich bin hier leider zu fremd, um ihnen Beis—tand leisten zu können. Doch s—teht nicht weit von hier ein Wegweiser!“
Leonore lachte ihn an. „Steht denn auf dem Wegweiser, wohin der schönste Weg führt?“
„O, Verzeihung, ich dachte, Sie s—prächen von dem Namen eines Dorfes.“
Sie sah auf den Jüngling, der mit der Uhr in der Hand seinen ausgerechneten Morgengang machte. „Sie können uns also nicht helfen, Herr Wandersmann? Nun, dann leben Sie wohl!“
„Verzeihung,“ stammelte der junge Mann, machte eine Verbeugung und kehrte dann zur Natur zurück.