Da Richard sich noch ein Steinmetzzeichen kopierte und der Lehrer, neuer Ansprachen gewärtig, stehen blieb, fragte ihn Leonore, ob er auch Bienen hielte. Bienenzucht und Obstbau zu lehren sei ja der soziale Beruf des Landlehrers. Und das fände sie schön, es brächte den Volkserzieher dem Volke näher. Sie hatte einen Bienenstand gesehen, darum redete sie also.
Jawohl, der Herr Lehrer hatte sieben Stöcke.
„O, da verkaufen Sie gewiß auch Honig?“
„Eine Mark das Pfund, prima Qualität.“
Die Besichtigung der Kirche endete mit einer Honigbestellung, mit einer Einladung der werten Familie nach Kapellendorf, mit dem Versprechen, dem Herrn Lehrer ein Buch zu leihen, nach dem er sich schon lange sehnte, und mit des Herrn Lehrers tiefsten Verbeugungen nach vorn.
„Leonore,“ sagte der Mann, als sie wieder allein waren — „wie fängst du es nur mit den Leuten an? Alle geraten sie in Ergebenheit, sobald du mit ihnen sprichst. Sogar dieser spröde Schullehrer!“
Sie lachte. „Ich bin so froh, nun kann ich alle Menschen ansprechen, wenn ich mag. Weißt du, ich habe ihm auch gesagt, sein Junge sei ein hübscher Junge, dann sorgt er gewiß dafür, daß ihn die Frau öfters wäscht, und er braucht sich seiner nicht mehr vor Fremden zu schämen. Ach du, was tätest du, wenn du auf einem solchen Dorfe Schulmeister sein müßtest?“
„Ich machte es vielleicht wie Franz Schubert, der aus Zorn über seine Lage den ganzen Tag die Kinder prügelte.“
„Nun wieder wie ein anderer! Meinst du nicht es müßte ganz schön sein, sich so als der Verantwortliche über alle zu fühlen? So wie ein kleiner Souverän?“
„Du liefest gewiß recht bald aus dem Schulhause fort in blaue Fernen.“