„Tun wir es jetzt,“ sagte sie, „aber nein, wir müssen nach Hause.“ —

Immer wieder konnte sie das alte Haus begrüßen, als käme sie von weiten Fernen heim. Sie führte den Mann durch die Stuben, die er noch nicht alle kannte. Immer wieder war wo ein verborgenes Treppchen, das in ein kleines Zellengemach oder auf einen verborgenen Korridor hinunterführte. Stuben voll alter Geräte waren da, mit verblaßten Malereien oder kunstvollen Türschlössern.

„Was machen wir nun mit dem allem?“ fragte der Mann.

„Ja, hast du so viel Geld, daß wir den charaktervollen Maurer lange behalten können?“

„Aber gewiß.“

„Dann wollen wir alles schön machen lassen — frisch tünchen und ausbessern —, und dann stellen wir deine Sammlungen auf und bekommen das allerschönste Schloß der Welt. Aber jetzt müssen wir uns zu Tisch zurechtmachen. Du hast jemand mitgebracht, der sagt: Madame est servie, da muß Madame auch ein langes Kleid anziehen, ein feierliches, langes Kleid.“

Richard Freyer hatte Leonore gefragt gehabt, wo sie schlafen wolle in Kapellendorf. Da hatte sie ihr Mädchenzimmer genannt und naiv befohlen, er solle doch auch das haben, was er als Junge bewohnte. So war es gemacht worden, und der Mann ging darauf ein, als sei es das Natürlichste. So waren sie durch eine Zimmerflucht getrennt, aber die Türen standen immer offen, und des Morgens riefen sie einander zu, ob sie noch schliefen.

Als Leonore das stolze Kleid anhatte, kam Freyer herüber, sie abzuholen.

Sehr feierlich saß Leonore an dem Tisch, den ein männliches Wesen bediente, das Madame est servie sagen konnte und bei Professor Freyer schon lange in Diensten gewesen war. Sie dachte, das männliche Wesen, das soviel von guter Sitte versteht, soll nicht denken, sein Herr hat nur ein Wald- und Wiesenmädchen geheiratet. Es würde ihn doch zu heftig enttäuschen. Später, wenn er einsieht, daß ich seinen Sitten gewachsen bin, später vereinfachen wir uns ein wenig.

Nach Tisch mußte man in den Garten hinuntergehen, denn Richard protestierte heftig, daß er mittags etwa gar schliefe. Nein, so alt wäre er denn doch noch nicht, und von schwerer Arbeit müsse er sich auch nicht erholen.