Nun machte Leonore allerlei Gartenpläne. Auch war manches da im Hofe doch im Laufe der Jahre unschön, verwahrlost gelassen. Im Garten standen die Malven voll Knospen — und Leonore beschrieb, wie schön es wäre, wenn sie alle errötend standen. Und dann kam es als heiße Freude über sie: das alles gehört nun mir, das alles ist annehmbar unser. Und sie liebte den dafür, der ihr alles geschenkt hatte.

Ob man nun am Nachmittag Besuche im Dorfe machen sollte oder einen Spaziergang?

Sie überlegten das noch sehr, als sie schon weit über die Heidenhügel hinausgekommen waren. Nun, da lag der Wald, wacholderumsäumt lag die Halde vor ihnen. Hier müssen wir erst Grüß Gott sagen — dann später kommen die Menschen. Die Wacholdersäulen sind viel älter und ehrwürdiger als die Einwohner von Kapellendorf. Es schickt sich nur, daß wir zuerst zu ihnen kamen.

Doch sie saßen kaum an den Wacholdersäulen, als ein Trupp Mädchen aus dem Wald kam. Sie trugen, so klein sie waren, Holzbündelchen, ob rechtlich oder frei erworben, kümmerte sie nicht. Es kümmerte sie auch nicht, daß niemand sie aufforderte, zu verweilen. Sie blieben stehen, schwiegen eine Weile, dann kritisierten sie unbefangen Leonores Kleid, ihren kleinen Hut und die Uhrkette, die Freyer anhatte.

„Heute ist wohl Holztag?“ fragte Leonore.

Ein munterer Braunkopf mit den glitzernden prächtigen und nicht allzu treuen Augen der Thüringerin nahm sogleich das Wort: „Mir gähn immer Sunnabend ins Hulze, meine Mutter spricht: dazu ist keene Schule.“

„Da hat die Mutter sehr recht.“

„Sie,“ sagte darauf die Rednerin entschlossen, „Sie, warum därfen mir denn nicht mehr in den Bassäng baden, seit Sie gekummen sin? Mir haben immer in den Bassäng baden därfen.“

„Weil ihr so schwarze Fische seid — Tintenfische seid ihr.“

Die Kinder schrien: „Da derfier gähn mir doch nein, werd sich doch keener baden, wo reine is.“