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Leonore und Richard gingen weiter — gingen in den Wald hinein. Da war Sommermittagsstille. Nur von fern hörte man das Hämmern der Spechte, hörte man vereinsamten Vogelruf.
„Weißt du, Lieber, wie wir am Abend unseres Hochzeitstages oben auf der freien Höhe standen, und es war so still im Wald, so unnennbar still, als sei alles Leben in den Gründen verdämmert, als hätte die Zeit aufgehört zu gehen. Da fühlte ich auf einmal, wie gut es war, daß ich dich wußte — daß ich nicht mehr allein zu sein brauchte. Da rief ich dich, und du kamst — ja, dort im stillen Wald war unsere Hochzeit, da wußte ich, daß ich mit dir gehen wollte.“
Und sie gingen mit einander durch den stillen Wald — sie hörten nichts als fern das Hämmern der Spechte, hörten nichts als ihrer beider Atemzüge, die von dem Lebenswillen zueinander sprachen. —
Der Tag neigte sich schon, als sie auf einem andern Weg, durch die Flur her, sich Kapellendorf wieder näherten.
Da begegnete ihnen ein alter Mann, der hatte eine prächtig lackierte, rötliche Brummbaßgeige auf dem Rücken. Und er redete sie an: „Morgen ist Kirmes in Isserstedt. Machen Sie auch hin?“
Sie hatte ein Scherzwort für ihn — und sie sah ihm noch nach, bis die bunte Geige nur noch ein kleiner, rötlicher Fleck war. Sie seufzte halb, als sei ihr ein dunkler Gedanke gekommen — sie wußte nicht, woher —
Durch das Kornfeld geht ein Alter,
Trägt den Brummbaß auf dem Rücken,
In der Tasche seinen Psalter,