Ein Spiel nannte er das, worein sie allen Willen gelegt hatte. Gut — mochte es ein Spiel gewesen sein, daß sie ihm die Jugend schenken wollte, daß sie seine Freundschaft begehrte. Er sprach ja so viel von Freundschaft. Er meinte wohl etwas anderes damit, als sie. — Von der Treue, von der Ewigkeit der Treue sprach er oft. Wie kann man dem, was sich nicht zu erschließen vermochte, treu bleiben? Treu bleiben — einem Wort? Einem leeren Wort?
Sie ging umher, und alles, was einst in ihr geglüht hatte, schien erloschen. Trug sie die Schuld? Hatte jemand Schuld? Sie zerquälte sich; sie dachte: was ging wohl in dem fremden Manne vor, der neben ihr hinlebte und von dem sie nichts wußte, als daß er sie wohl einmal schön gefunden hatte wie ein Schmuckstück, das man nach seinem Willen anlegt und abtut. Was ging wohl in dem Manne vor, der ihr so fremd war?
Sie fand einmal irgendwo Verse von jemand, den sie nicht kannte. In irgendeinem Buch, das mit andern aus der Stadt geschickt worden war. „Revenants“ stand darüber — Heimkehrende, Wiederkommende, Gespenster, wie man es deuten wollte. Gedankenlos hatte sie es gelesen — und sie las es, aufmerksam geworden, noch einmal:
Revenants.
Spürst du, wie der Tag entgleitet
Über sommerschönem Land?
Fühlst du, wie mit sanfter Hand
Sich das Dunkel um uns breitet?
Weißt du, daß wir lange starben,
Daß wir untergehen mußten,