Führe mich, führe mich, du, den ich grüße,

Endlich in dein Land —

VII.
Ein nie gewesener Tag.

Leonore, meine liebe Schwester!

Jahre sind es, und ich habe so wenig von Dir gehört. Wohl weiß ich, daß Du glücklich bist, und das könnte ja genug sein. Nun aber frage ich Dich, magst Du mich wiedersehen? Darf ich mit eigenen Augen sehen, wie Du glücklich bist mit dem, der Dir Kapellendorf neu schenkte?

Ich reise mit meinem Freund Frederic Morton und seiner jüngsten Schwester Julia Morton in nächster Zeit durch Deutschland. Darf ich dann in das Land kommen, wo immer der Wind weht? Meine Begleiter wissen von Dir, sie würden Dich gern begrüßen. Aber ich muß wohl erst fragen, ob wir Euch willkommen wären. Ich weiß sehr wohl, wenn man in jungem Glück lebt, sehnt man sich nicht nach Fremden. Darum gib mir eine offene Antwort. Allein aber darf ich Euch doch wohl irgendwann eine Stunde lang sehen?

In alter Gesinnung Dein
Vitus Kelt.

„Wir bekommen Gäste,“ sagte Leonore fast jubelnd, als sie den Brief gelesen hatte, und sie reichte ihn Richard. „Lies doch — ich darf ihm doch schreiben, daß Kapellendorf gern Gäste sieht?“

Richard las den Brief. Las ihn bedächtig und langsam. Dann lächelte er. „Schreibe, wie es dir lieb ist. Ich sehe gern deine alten Kindheitsgespielen.“

Sie erriet, warum er lächelte. Ihr kam plötzlich vors Gedächtnis, wie einmal im Salon der Anastasia Planck in München ihre beiden Freunde Dankmar und Klemens sich gar so wenig vorteilhaft in ihrer grünenden Jugend gezeigt hatten, und wie Nacka Planck plötzlich fabelte, sie wolle sich ein Landgut kaufen und fragte, welches die besten Düngemittel seien und ob Futterrüben einen guten Preis hätten? Und wie dann der hülflose, treuherzige Klemens gewissenhaft und langsam schweigend rechnete, und endlich als man längst nicht mehr von der Landwirtschaft redete, in ein Theatergespräch die Bemerkung warf, mit Futterrüben allein sei es doch eine gewagte Sache.