Die Cousine Clemence saß bei Großmama und Charlottchen. Sie sprach nicht viel, sie stickte an einer Pointlace-Arbeit. Sie lächelte nie und sie redete nicht viel mit Leonore. Die wußte auch nichts zu antworten — sie spielte nicht Tennis, nicht Golf, sie war noch nicht im Ausland gewesen und hielt keinen Kindergottesdienst. Alles, was Clemence fragte, mußte mit nein beantwortet werden. Die Cousine Clemence ging früh am Abend in ihr Zimmer. Von der Kemenate aus konnte man dann wohl ein Licht bei ihr brennen sehen. Im Mauergärtlein wurde dann von der Cousine gesprochen. Jeden Abend.
Leonore liebte die schweigsame schöne Cousine. Leonore wußte, sie trug ein großes Herzeleid. Was für ein Herzeleid? O Gott, nein, niemand konnte es geben, der sie nicht liebte. Auch war sie fromm, was die einsam aus langen Tagen ragende Frage nach dem Kindergottesdienst bewies. Nein, sie konnte nicht um einen verlorenen Gott trauern. Aber was hat man sonst für Herzeleid?
„Dort, wo die grauen Nebelberge ragen,
Fängt meines Heimatlandes Grenze an —
Und jene Wolken, die nach Mittag jagen,
Sie grüßen Frankreichs fernen Ozean.
Eilende Wolken — Segler der Lüfte,
Wer mit euch wanderte, wer mit euch schiffte,
Grüßet mir freundlich mein Jugendland.“
Rührend und schrecklich schön umgab das Lied die Cousine, die in Seidenkleidern von seltsam verblaßten Farben durch die Gärten und den Schloßhof von Kapellendorf ging, als wandelte sie zwischen Zypressen und steinernen Malen über ein heiliges Feld —