„Von Papa. Der andere war ein Findelkind, das haben die Großeltern erzogen. Als der Findling Student war, hat er die Tante lieb gehabt. Sie kam aber in eine englische Pension, und da hat sie, glaube ich, auf dem Schiff den Onkel Warren kennen gelernt, den sie dann heiratete. Da war der Student sehr böse und hat sich recht undankbar gegen die Großeltern benommen, und dann ist er fort.“

„Hat dir das dein Papa so ohne weiteres erzählt?“

„Bewahre. Einmal, da sang Papa ein paar Verse.“

„Dein Vater singt?“ fragte Leonore erschrocken.

„Du meinst wohl Choräle und Psalmen?

Mein Vater singt schöne, leise Lieder und spielt auf der Gitarre dazu. Nun, da war einmal ein fremdes Lied — ich habe es wieder vergessen, obwohl es mir so gefiel. Ich fragte, von wem das Lied sei, und da sagte Papa, ein Pflegebruder von ihm hätte es gemacht. Es war ein ganzes Buch voll Verse da, als er fort in die Welt ging. Sie haben nie mehr von ihm gehört; aber das Buch müsse wohl noch hier irgendwo liegen, meinte Papa.“

„Dann werden wir es auch finden. Ich suche morgen. Vielleicht haben wir der unbekannten und verstorbenen Tante ihren schlechten Geschmack zu entschuldigen. — Was sagen wir nun, wenn dieser Enterich von einem Vetter uns fragt, wo wir gewesen sind. Er dachte doch, ich hätte Stunden.“

„Wir mußten uns von dem geistreichen Umgang erholen,“ sprach der Ökonomiepraktikant. „Weißt du, womit mich heute der Vetter George unterhalten hat? Von den Schönheiten der griechischen Sprache. Er ist witzig, auf Ehre. Denn die Schönheiten der griechischen Sprache haben mich von dem Gymnasium erlöst. Hätte ich sie begriffen, so müßte ich heute noch Pennäler sein ...“

„Kinder, wo findet man euch denn?“

„Hier, Dankmar.“ — Ein junger Mensch kam raschen Schritts. Er hatte den Kopf voll brauner Locken wie ein Lützowjäger. — „Wie war es denn, Dankmar?“