Kelt saß am Hügelrand und sah auf das ruhende Wasser. „Einen Augenblick sind wir uns begegnet, Leonore, und haben uns zugelächelt aus weiten Fernen. Aber es wird nicht sein, als sei nichts gewesen. Wir werden noch oft an einander denken, wenn jeder sein eigenes Leben lebt — ja, weißt du, wenn wir einst beide auf den Inseln der Seligen sind, dann werden wir einander manchmal grüßen als Wegkameraden.“
Sie saß ihm gegenüber, lächelte verloren. „Ich muß dich noch viel ansehen, du schönes Tier. Du gefällst mir noch heute so gut wie beim ersten Mal.“
Er sagte nichts. Er schwieg lange. Die Grillen zirpten von den Wiesen her, und die Schatten des Abends vertieften sich. Es war, als hätte der Augenblick kein Ende; als hätte der stille, reine Abend keinen Untergang. Sie dachte: Hinter den Hügeln wird uns einst das Leben lächeln. Wie ein Jahrtausend muß das Glück sein — so reich, so glühend von großen Taten —
„Vitus, liebst du deinen Freund?“
„Du weißt es ja, mein Kamerad.“
„Ich liebe die Erde und den Sommer,“ sagte sie und lächelte Kelt an. „Und dich hab’ ich so schrecklich gern. Hörst du — du sollst mir nie schreiben — ich schreibe dir auch nicht. Briefe enttäuschen so. Die wollen etwas sein und sind doch nichts. Heute sagen wir uns Lebewohl — und wenn wir uns nie wiedersehen, so tut es nichts, denn es wäre doch anders.“
Sie lächelte wieder: „Adieu, Vitus Kelt, und es war sehr schön.“
Er stand auf. „So gehen Kameraden nicht auseinander. Rufe mich, wenn du mich je brauchen solltest. Wir haben uns lieb wie Geschwister. Ein Bruder, der fortgeht, sorgt sich, wer seiner Schwester Freund und Hüter sein wird — Freund und Hüter im fernen Land des Lebens.“
„Ach, Vitus, in Wirklichkeit bin ich doch ein Junge. Ich werde mit allem schon allein zu Ende kommen. Adieu, Vitus Kelt, und grüße auch deinen Freund von mir.“
„Leb’ wohl, Leonore, ich werde dich nie vergessen.“