„Na, Kind, der Paul lebt recht kräftig gerade, trotzdem er malt.“
„Ich kann ihn nicht leiden,“ kam eine heftige Antwort.
„Weil er Klothilde heiratet? — Aber liebe Leonore, damit beweist er doch nur einen guten Geschmack.“
„Du hast wohl auch wo eine Braut?“
„Ich? Aber Leonore. —“
„— Aber, Leonore — aber, Leonore. Ich höre schon, daß ich ein Aber bin.“
Kelt sah geradeaus ins Land. Ganz behutsam, und wie man ewige Wahrheiten ausspricht, die niemand ins Herz treffen können, redete er weiter: „Weißt du, wenn die Menschen ganz jung sind, wissen sie noch wenig von sich. Und sie glauben doch immer, sich in alle Zukünfte zu verstehen. So lange ein Mensch noch im Werden ist, hat er nicht den Überblick, vermag er nicht zu entscheiden, was ihm nicht nur Freude, nicht nur Vergnügen, sondern Notwendigkeit ist. Alles andere enttäuscht. Nur was uns Notwendigkeit ist, bleibt uns treu. Was sich von uns wendet, war nicht Notwendigkeit. Es war nur Handlanger zu unserer Entwicklung.“
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So still und rein kam der Juniabend. So still wie die letzte Liebe. Sanftheit lag über der Landschaft. Allen Ruhe, allen Ruhe und einen Schimmer von Glück schien sie zu bringen.
Sie standen noch einmal an den Weihern der Fossa. Die Abendschatten lagen schon über den Hügeln, und in den melancholischen Wassern schrien die Frösche. Und wie im Traum fühlte Leonore die ferne, untergegangene Zeit — fühlte sie den Schmerz, der hier noch zu wohnen schien.