„Was?“ rief Lydia. „Keinen Kranz? Du willst keinen Kranz aufsetzen? Nee, so grad wie e Hund willst du gehn?“

Die Genossinnen erschraken. Drei Augensignale lichterten über Lydia hin.

„Ein Hund ist ein schönes Tier,“ sprach Leonore, „aber ich setze keinen Kranz auf, weil der Pfarrer schon sowieso immer von Brautkränzen redet. Eigentlich könnte mir eine von euch einen Gefallen tun.“

„Gern sind wir dazu bereit.“

„Nun also: Ihr wißt doch, wenn ein Waisenkind dabei ist, so sagt der Pfarrer jedesmal, daß es zu beklagen sei und denen, die sich seiner erbarmt, zu Dank verpflichtet. Ich mag das nicht hören — und selbst darum bitten mag ich auch nicht. Wer tut’s?“

Die Freundinnen blickten einander fassungslos an. Dann erhielt Linda, welche die Klügste war, einen Puff von ihrer Nachbarin. Linda faßte sich: „Die Pfarrer müss’ spreche was in ihren Büchern steht. Da kann ma nichts ändern. Das sind so Bräuche —“

„Gott, doch nicht jedes Wort ist ein Brauch. Das an das Waisenkind soll doch eine Freundlichkeit sein. Ich mag sie aber nicht, denn dann heulen alle, als ob ich ein Verdammtes wäre. Seht ihr denn nicht ein, daß ich das nicht mag?“

Nein, weder Linda noch Lydia noch Alieze, von Hildegard gänzlich zu schweigen, sahen es ein. „Da kann ma sich nicht einmischen.“

„Na, dann tut es mein Vetter.“

Die Freundinnen gaben sich das Freimaurerzeichen. „Ooch — dein Vetter? Der ist wohl dei Bräutgam?“ sagte Alieze, „steckst ja immer mit ihm zusammen.“