Alfred Wredegast, der einen langen Gehrock angezogen hatte, verbeugte sich würdevoll. „Ich habe mir soeben die siebente genehmigt.“

„Schön von Ihnen. Und Sie, Herr Tucher?“

„Ich bin doch abstinent, Gnädigste.“

Nacka Planck schüttelte sich. „Ich achte Sie hoch, Herr Tucher, aber tun Sie mir nur die eine Liebe und sprechen Sie in meinem Hause das Wort abstinent nicht aus. Es klingt so kränklich. Sie kriegen alle Limonaden der Welt und Pfeffermünzplätzchen statt Zigarretten, aber sprechen Sie nur das Wort abstinent nicht aus. Es ist mir als ob ich auf Kröten träte. Herr Wredegast — da bitte — dort im Flur, dort — waschen Sie sich die Hände — ja — die Tabakfinger meine ich.“

Herr Alfred Wredegast lächelte. Wie eine Spitzmaus sah er aus, wenn er lächelte — ein wenig überlegen, ein wenig unbeholfen, ein wenig gutmütig. Er kam dann hinterdrein und setzte sich mit zu Tisch.

Auf dem Tisch prangte Geschirr mit dem Wappen des Hauses Hunsrück. Das gehörte Iphigenia Müller, die es mitgebracht hatte. Es gab sehr gute Dinge, und die Herren aus der Pension Bendler schienen beschlossen zu haben, ihren Geist erst später im Salon preiszugeben.

Leonore dachte: Die Anastasia Planck ist doch schrecklich nett. Trotzdem sie mitunter so schimpft und immer von Mannsbildern redet und die Iphigenia augenscheinlich so quält. Sie ist so gastfrei und so heiter. Und arbeitet doch den ganzen Tag.

„Wo ist denn Anna Tröster geblieben?“ fragte Nacka. — Ja, wo war Anna Tröster. Niemand wußte es. — „Entschuldigen Sie mich,“ sagte Nacka, „da muß ich mal nachsehen.“

Sie lief weg und kam nach ein paar Minuten mit Anna Tröster wieder. „Lachen Sie mal die Person da recht aus,“ sagte Nacka. „Die wollte nicht kommen, weil sie nicht schon vor drei Tagen auf einer Karte eingeladen war.“

Die Tröster war ein verschüchtertes Wesen. Sie hatte schon fünfzehn Mal den Echtler kopiert, der eigentümlicherweise neben Feuerbachs Iphigenia in der neuen Pinakothek hängt. Das vertreibt den Stolz.