„Aber Tröster, man muß die Feste feiern, wie sie fallen,“ sagte Wredegast und lachte gutmütig.
„Ich — ich wußte gar nicht, daß ich eingeladen sei.“
„Ja, sehen Sie, wenn Gott will, können wir auch ohne Los einen Treffer machen,“ sagte Herr Tucher.
Nun aß man. Gute Dinge von schönen Tellern mit schönen Geräten. Alle waren reichlich hungrig, weil sie lange hatten warten müssen. Nur der abstinente Herr Tucher dachte an andere Dinge als Essen.
Er erzählte plötzlich eine Gespenstergeschichte aus dem berühmten Spukhaus an der Potsdamer Straße in Berlin und fürchtete sich dabei so sehr, daß er nicht weiter essen konnte. Mit Augen, hinter denen Angst, Unglück, Verzweiflung lagen, sah er über den Tisch, immer gerade Leonore an. Der wurde es ganz bang, weniger vor der Geschichte als vor den trostlosen Augen des Lyrikers.
„Herr Tucher,“ sagte die Planck, „Gespenstergeschichten bitte am Tag. Nur in plein air, bitte. Ich brauche meinen Schlaf, ich will nicht liegen und mich fürchten. Für Sie kann das von Nutzen sein. War es nicht Lenau, der nachts sich vor Gespenstern fürchtete und dabei seinen Faust schrieb! Na, oder wer es sonst war — jedenfalls kein Maler.“
„Aber das Übersinnliche,“ wagte Herr Tucher zu sagen, „das Transzendentale ist doch ein notwendiger Bestandteil jeder wahren Kunst.“
„Wir essen jetzt, Herr Tucher,“ wiederholte Anastasia mit Nachdruck.
Leonore lächelte. Sie sagte ein wenig geniert, aber doch ganz munter: „In meiner Malklasse ist eine Pfarrerstochter von hier. Wir malen ja sonst immer Stilmuster oder Farbenexperimente, aber vor Weihnachten erlaubt der Lehrer, daß man Kleinzeug zum Verschenken herstellt. Da malt nun die Pfarrerstochter Suppenteller für ihre Familie. Und auf die schreibt sie: ‚Dein Wort sei meine Speise‘.“
„Auf Suppenteller, o Gott!“