Sie lachten alle. — „Leonorchen, das haben Sie niedlich erfunden.“
„Aber es ist ganz gewiß wahr,“ ereiferte sich Leonore — „wir jubeln schon alle, wenn sie ihre Teller auspackt.“
Die Baronin Müller erzählte in Hast: „Die Frau Großherzogin von Baden hat viele Frauenarbeitsschulen gegründet, und wenn die Mädchen austreten, bekommen sie ein Wandschild zum Andenken, auf dem steht: ‚Die Hand bei der Arbeit, das Herz bei Ihm.‘ Ihm ist groß geschrieben — aber die Mädchen meinen doch, sie brauchten kein Schild, das zu wissen.“
„Und in der evangelischen Mädchenherberge,“ sagte Herr Wredegast, „da hängen Schilder in den Schlafräumen, auf denen steht ‚Ich harre des Herrn‘.“
Nacka Planck sagte: „In meinem Hause wird die Religion nicht verspottet. Bitte sehr. Ich bin griechisch-katholisch, und in meinem Hause brennt eine ewige Lampe.“
„Unter dem Bild der Madonna. Unter Murillos Immaculata. Madonna Immaculata. O, ich verstehe, daß Ihnen die Religion heilig ist. Eine rote ewige Lampe unter dem Murillo. Sie haben Stilgefühl, Nacka Planck.“ Mit einer langsamen sanften Stimme sagte das Alfred Wredegast, und er sah Nacka Planck dabei an.
Ihr schien dieser Blick Unbehagen zu machen. Sie erhob sich.
Die Baronin aus Berlin teilte Händedrücke und Gesegnete Mahlzeiten aus. Leonore wußte nicht, war das Gesegnete Mahlzeitsagen eine Freundlichkeit oder eine Höflichkeit. Die Nacka Planck kam zu ihr, sah sie sanft und liebevoll an und sagte ruhiger als sie sonst sprach: „Gesegnete —“
„Mahlzeit,“ ergänzte Leonore, obwohl sie das Wort allein abscheulich fand.
„Ich komme aber schlecht weg bei dem Dialog, Leonore.“