würden Sie sich denn wirklich sorgen, wenn ich sehr krank wäre? Liegt Ihnen etwas an mir? Sagen Sie es mir, Liebe, ich warte sehr auf die Antwort.
Ihr Richard Freyer.
Lieber Freund,
freilich liegt mir etwas an Ihnen. Ich würde Sie doch nicht meinen Freund nennen, wenn es nicht so wäre. Sie müssen bald wieder ganz gesund sein, ja, das will ich.
Ich muß noch einmal auf etwas zurückkommen, was Sie mir neulich sagten. Sie meinten die Stille dieses Ortes sei vielleicht nicht gut für mich.
Ich glaube fast, Sie haben nie dauernd an einem stillen Ort gelebt. Sonst müßten Sie wissen, wie gut das sein kann. Wir sind ja der Erde so nah. Allem Guten sind wir nah, allem Lebendigen. Ich könnte nie dauernd in einer Stadt sein. Ich glaube, ich würde vergehen vor Sehnsucht nach all dem, was mir aus den Kinderjahren her teuer und vertraut ist wie ein Freund — das weite Land, das uns gehört — das sich uns immer neu schenkt.
Später:
Ich muß Ihnen etwas erzählen: denken Sie, meine Verwandten haben es geschrieben: die alte Oberförsterei Kapellendorf ist eingezogen.
Kapellendorf und ein Stück Weimarischen Landes stehen zum Verkauf.
Ich kann gar nichts anderes denken als: Wenn ich das haben könnte! Wenn ich das wieder haben könnte!