Verzeihen Sie, wenn dieser Brief nur von mir redet.
Leonore.
Leonore, Liebe, Ihr Brief hat mir so wohl getan. Ich glaube, so wohl, wie Sie der Großmutter tun, wenn Sie mit Ihren sanften Händen und Ihrem gütigen Gesicht und Ihrer lieben Stimme um sie sind. Ich bin auch krank — richtig krank — und kann nicht viel schreiben. Wie geht es mit Ihren Schülern? Macht Ihnen die Sache noch Freude? Schreiben Sie mir doch — es will heute bei mir nicht recht gehen, und ich möchte so gern wieder von Ihnen hören.
Richard Freyer.
Lieber Freund, aber Sie müssen doch nicht krank sein. Nur alte Menschen dürfen es und Sie sind doch jung! Tun Sie doch schnell die Krankheit fort. Ja, ich bitte Sie — oder soll ich den lieben Gott bitten? Ist es so schlimm?
O, ich hoffe, es geht Ihnen besser, Sie waren schon sehr tapfer gegen die Krankheit.
Sie fragen nach meinen Schülern. Ach, der Schmiedssohn hat sein schlummerndes Genie noch nicht preisgegeben — die Mädchen bleiben unverrückbar wie Denkmäler auf den Postamenten. Es ist mir oft eine Qual, mich mit so sterilen Intellekten — was noch schlimmer ist, mit so unerwecklichen Seelen befassen zu müssen. Aber der Großmutter ist das eine Beruhigung — und dürfte ich sie dann betrüben, wenn ich Wünsche, Willen verriete, die sie nur erschrecken müßten! Ich bin ja jung. —
Schreiben Sie mir, lieber Freund, wie es Ihnen geht. Sonst muß ich mich sorgen.
Ihre Leonore.
Liebe, liebe Leonore,