Um die Ansiedelung des bisher unbebauten Landes machten sich nicht bloß Fürsten und Herren, sondern auch die Geistlichen, in unseren Gebieten ganz besonders das Domkapitel von Meißen, sehr verdient. Daneben aber auch die Cisterzienser, die nach ihrer Ordensregel besonders auf den Feldbau angewiesen waren. Das erste Cisterzienserkloster in Altzelle wurde 1162 vom Markgrafen Otto gegründet und die Mönche, die von Walkenried am Harz kamen, erhielten am Rande des bis dahin noch fast unbewohnten Waldes südlich von Nossen 800 Hufen Landes angewiesen, ein beträchtlicher Besitz, der aber erst für den Anbau gewonnen werden mußte. Dieser Besitz erstreckte sich südwärts bis über Freiberg hinaus, und hier wurde höchst wahrscheinlich, wenn auch nicht urkundlich zu belegen, durch die Mönche selbst der erste Silberfund gemacht. Denn da das Mutterkloster in Walkenried als wichtigen Teil seiner Einkünfte einen Anteil vom Ertrage des Silberbergbaues im Rammelsberge bei Goslar besaß, so verstanden die Mönche etwas vom Bergbau und kannten die Gesteine, in denen Silberadern vorkommen können. Das führte denn zur Entdeckung des Silbers bei Freiberg. Dadurch gewann der bis dahin gemiedene Urwald des Erzgebirges eine besondere Anziehungskraft und förderte wesentlich die Besiedelung auch der höheren Bergstriche. Es sind diese Verhältnisse hier kurz berührt, wenn sie auch scheinbar nicht in den Rahmen unseres landschaftlichen Gebietes fallen, weil, wie wir später sehen werden, ohne die rasche Blüte des Freiberger Bergbaues die Entwickelung Dresdens zur Hauptstadt des Elbtales und weiterhin zur Hauptstadt des ganzen Landes nicht denkbar wäre.
Abb. 24. Drehen, Formen und Gießen in der Königl. Porzellan-Manufaktur zu Meißen.
(Zu [Seite 34].)
Die obersächsische Mundart.
Die Besiedelung des flacheren Landes und des niedrigen Berglandes war am Ende des dreizehnten Jahrhunderts durchgeführt. Damit verschwanden die Slaven links von der Elbe und im Elbtal, ohne daß eine gewaltsame Vertreibung stattgefunden hätte. Auch die Sprache erlosch allmählich, und 1424 wurde der Gebrauch der wendischen Sprache vor Gericht im Meißenerlande verboten. Dazu trug namentlich auch die Abneigung der Deutschen bei, mit den Unterworfenen, den Hörigen, jedenfalls sozial Niedrigerstehenden irgend welche Verbindung einzugehen. Wo sie in den Städten aufgenommen wurden, mußten sie in besonderen Gassen wohnen. Man findet daher oft und westwärts sogar bis zum Harz in den deutschen Städten die Benennung „windische Gasse“. Die Zünfte nahmen keinen Wenden auf und noch bis ins achtzehnte Jahrhundert wurde wohl bei Ausstellung eines Lehrbriefes dem jungen Manne bezeugt, ehe er seine Wanderschaft antrat, daß er aus einer deutschen Familie und nicht aus slavischer Wurzel stamme. So breitete sich also auch im Elbgelände wiederum die deutsche Sprache aus, nachdem der slavische Laut über 500 Jahre allein geherrscht hatte. Es entwickelte sich die obersächsische Mundart, die aber eine ziemliche Anzahl slavischer Ausdrücke aufnahm und auch bis heute im Volksmunde bewahrt hat. Wie die Ansiedler aus Franken und Thüringen kamen, so ist auch das fränkische Wohnhaus im ganzen Lande verbreitet. Es hat im Gegensatz zum niedersächsischen Bauernhause ein Obergeschoß; Viehstall und Wohnhaus sind nicht unter einem Strohdache. Wohnhaus und Kuhstall stehen vielmehr rechtwinklig zur Straße und sind gegen die Straße durch eine Mauer, die den Hof abschließt, verbunden. Durch diese Mauer führen das oft hochgewölbte Einfahrtstor und die bescheidenere Pforte für die Fußgänger. Nach hinten schließt die Scheune den Hofraum ab. Auf der dem Hof zugekehrten Langseite des Wohnhauses lief sonst im Obergeschoß ein Laubengang entlang, der aber in neuerer Zeit schon vielfach verschwunden ist. In den Dörfern des Elbtales findet sich noch die Eigentümlichkeit, daß die Hofmauer nach der Straßenseite über die Giebelfront des Wohnhauses in die Straße hineingerückt ist, so z. B. in Radebeul und Kötzschenbroda; vielleicht geschah es, um das Weinspalier nicht unmittelbar an der Straße pflanzen zu müssen, sondern durch einen Zaun schützen zu können. In dem sehr charakteristischen Rundling von Radebeul ist so fast der ganze innere Dorfplatz von den vor den Häusergiebeln liegenden Weingärten eingenommen, so daß nur schmale Fußwege vom Platz zwischen diesen Weinpflanzungen zu den Häusern führen.
Abb. 25. Malersaal der Königl. Porzellan-Manufaktur zu Meißen. (Zu [Seite 34].)
[1] Auf dem Boden der Stadt, in Blasewitz, Strehlen und Übigau; dann bei Löbtau, Brießnitz und Stetzsch.