Abb. 32. Hof im Königl. Schlosse zu Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 36].)

Nach dem erst in neuerer Zeit geschehenen Durchbruche der König-Johannstraße vom Altmarkte nach dem Pirnaischen Platze ([Abb. 34]), ist auch dieser Platz durch den immermehr wachsenden Verkehr, namentlich da sich die Vorstädte nach Südosten am meisten ausdehnen, außerordentlich stark belebt und bietet eins der interessantesten Verkehrsbilder der Stadt.

Die Elbbrücke bestand seit 1222, und zwar zunächst nur aus Steinpfeilern mit Holzverbindung, ähnlich wie in Meißen. Ganz in der Nähe lag die markgräfliche Burg in dem Stadtteil, der heute noch der Taschenberg heißt. Mit dem Worte Tasche bezeichnete man den Abhang zur Elbe. Die Burg beherrschte die Hauptverkehrslinie und den Zugang zur Brücke. Entfernter lag, aber auch in der Nähe des Marktes, die erste, dem heiligen Nikolaus, dem Patron der Schiffer und Fischer, geweihte Nikolaikirche. Als der jugendliche Markgraf Heinrich der Erlauchte (1221–1288) 1234 sich mit Constantia, der Tochter des Herzogs Leopold von Österreich vermählte, brachte diese als besonders wertvoll geachtete Reliquie ein Stück vom Kreuze Christi mit. Zur würdigen Aufstellung wurde an die Kirche eine Kapelle angebaut, die man die Kreuzkapelle nannte. Dieser Name verdrängte bald den Namen des heiligen Nikolaus und dann hieß die Hauptkirche allgemein „Kreuzkirche“. Zur Verehrung der Reliquie entstanden Wallfahrten. Die dadurch der Stadt zufließenden Einnahmen sollten zur Erhaltung der Brücke verwandt werden. Da nun der Wunsch, diese Brücke ganz aus Stein zu errichten, bedeutende Mittel erforderte, so wurde, um diese zu beschaffen, 1319 von seiten der Kirche gestattet, allen Wallfahrern einen vierzigtägigen Ablaß zu verheißen. Die dadurch erzielten Einnahmen flossen zunächst dem Vermögen der Kirche zu, aber diese hatte die Verpflichtung, für den Ausbau der Brückenbogen zu sorgen. So flossen Kirchen- und Brückeneinnahmen zusammen und werden bis heute unter dem Namen „Brückenamt“ verwaltet.

Abb. 33. Der Altmarkt mit dem Rathause zu Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 36].)

Die Häuser der Stadt waren anfänglich noch recht ärmlich und bestanden aus Holz und Lehm mit Strohdach, später aus Fachwerk mit Schindeln. Steinhäuser gab es noch wenig. Auf dem sumpfigen Boden waren die ursprünglichen Fahrwege nur Knüppelwege mit Kiesaufschüttung, von denen man deutliche Spuren noch 1898 beim Schleusenbau auf der Schloßstraße aufgedeckt hat. Erst in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts (1558) wurden die Straßen nivelliert und gepflastert.

Die Bürger waren ausschließlich Deutsche, doch durften auch Slaven in einer besonderen, ihnen angewiesenen Gasse wohnen. Sie hieß daher die windische Gasse, jetzt Galeriestraße. Da in der Stadt das Magdeburger Recht galt, so hat man mit Recht daraus geschlossen, daß die Kolonisten aus Niedersachsen stammten.

Dresden wird Residenz.

Es war für die junge Stadt von Bedeutung, daß Heinrich der Erlauchte die letzten Jahre, von 1277–1288, beständig in Dresden residierte. Bei seinem Tode, 1288, überwies seine Witwe die Güter Leubnitz und Goppeln bei Dresden dem Kloster Altzelle, wo Heinrich auch seine Grabstätte fand. Das Kloster erhielt damit auch das Recht, sich einen Verbindungsweg zwischen Altzelle und Leubnitz zu schaffen, der, wenn er auch gelegentlich durch ein Bauerngehöfte führte, Tag und Nacht dem Verkehr offen gehalten werden mußte. Dieser Weg führte als Zellescher Weg nahe an der Stadt vorbei und ist gegenwärtig, da sich Dresden über diesen Weg hinaus ausgebreitet hat, noch in einem Straßennamen erhalten. Nach Aufhebung des Klosters 1550 kam das Gut an Dresden.