Abb. 1. Der Liebethaler Grund. Lochmühle.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu [Seite 85].)

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GRÖSSERES BILD]

Abb. 2. Dresden, von der Marienbrücke gesehen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden.

I.
Einleitung.

Aus der altgermanischen Sagenzeit klingt eine Kunde zu uns herüber, daß die Schwanenjungfrauen nach Süden über den unermeßlichen Dunkelwald geflogen seien. Dieser Dunkelwald wird in der alten Sprache Miriquido oder Miriquidi genannt, ja ein Chronist des Mittelalters braucht diese Bezeichnung einmal in einer so auffälligen Verbindung, daß man daraus den etwas voreiligen Schluß gezogen hat, im Mittelalter habe das Erzgebirge den Namen Miriquido gehabt. So viel Wahres liegt indes doch in diesem Schlusse, daß die unbewohnten und unzugänglichen Wälder des Erzgebirges mit zu dem tagereisenbreiten Grenzwalde gehörten, der die nördlich wohnenden Germanen von den südlichen Kelten trennte. Den Namen dieses Grenzwaldes haben uns die alten Griechen, jedenfalls aus dem Munde der ihnen näher wohnenden Kelten, in der Form Arkynnen überliefert, der dann später bei den Römern als Hercynischer Wald bekannt war. Die neuere Erdkunde hat den Namen als Hercynisches Gebirgssystem festgehalten und versteht darunter alle jene von Südost nach Nordwest streichenden Bergwälder und Gebirge, die das norddeutsche Flachland im Süden begrenzen. Es werden darunter namentlich zwei langgestreckte Gebirgszüge verstanden, die in ziemlich gleicher Richtung streichen, aber sich doch gegen Nordwesten einander immer mehr nähern.

Der südliche beginnt mit dem Böhmerwalde an der mittleren Donau, setzt sich im Fichtelgebirge und dem Thüringer Wald fort und endigt mit den letzten niedrigen Ausläufern des Teutoburger Waldes an der oberen Ems. Der nördliche Zug begrenzt als Sudeten (Riesengebirge u. a.) und Lausitzer Gebirge den Nordosten Böhmens, ist weiterhin bis zum Harz unterbrochen und nur noch an einigen stehengebliebenen Kuppen wie der Kollmberg bei Oschatz und der Petersberg bei Halle zu erkennen, und endigt als Parallelzug des Teutoburger Waldes im Weser- und Wiehengebirge.

Böhmen, Sachsen, Thüringen und die Weserlandschaften liegen zwischen den beiden Hauptzügen; aber da diese sich gegen Nordwesten einander immer mehr nähern, werden die zwischen ihnen lagernden Landschaften nach Nordwesten immer kleiner. Sachsen bildet insofern eine Ausnahme, als es nicht, wie die übrigen genannten Länderstriche, auch auf der Nordseite von Waldgebirgen abgeschlossen ist, also offener und ungehindert in das norddeutsche Flachland übergeht. Dazu ist auch seine Abgrenzung vom südlichen Nachbarlande Böhmen durch den eigenartigen Querzug eines Gebirges, das von Südwesten nach Nordosten streicht und in der neuen Zeit Erzgebirge genannt ist, viel schärfer und bestimmter erfolgt, als sonst zwischen den übrigen Landschaften innerhalb der hercynischen Bergketten.