Die Landschaften an der Elbe im böhmischen Gebirgsringe.

Die Ursache liegt darin, daß von der fast nur aus Urgesteinen bestehenden mächtigen böhmischen Scholle, die das ganze Land Böhmen samt allen Grenzgebirgen und darüber hinaus auch einen großen Teil des heutigen Landes Sachsen umfaßte, an tiefgehenden Spalten der Erdrinde, die in der Richtung des Erzgebirges verliefen und am leichtesten an der Richtung des Egerlaufes zu erkennen sind, sich die nördlichen Teile der Scholle (in Sachsen) von der böhmischen Masse trennten und nun eine derartige Verschiebung der Erdschichten erfolgte, daß sich der nördliche Teil (im heutigen Erzgebirge) im Norden senkte und im Süden hob, so daß hier der Steilrand sich wie eine bedeutende Gebirgsabdachung zeigt, während sich nach Norden das Erzgebirge ganz allmählich gegen das Flachland verliert. Diese große Verwerfungsspalte, an der die zahlreichen warmen Quellen und Mineralbrunnen Nordböhmens hervorgetreten sind, und die durch die Verwerfung verursachte Neigung der Erdschichten nach Norden und Nordosten reicht ostwärts bis zur Elbe. Dagegen hat alles Land östlich dieses Stromes an der erzgebirgischen Bewegung nicht mehr teil genommen. Dieses Land gehört, wenn auch nicht in politischer Hinsicht, zum Lausitzer Granitgebiet, dessen Richtung, durch das hercynische System vorgeschrieben, von Nordwest nach Südost geht. Der Lauf der Elbe in Sachsen zeigt uns diese Richtung an und an ihrem rechten Ufer ist die Lausitzer Bergmasse schroff abgebrochen und zeigt, wenn auch in mäßigeren Verhältnissen als das Erzgebirge, gegen das Elbtal einen steilen Bergrand. Auch hier ist an einer Verwerfungsspalte das Land abgesunken und bildet ein Talbecken, in dessen Mitte Dresden liegt.

Hier haben wir nun jene in ihrer Größe bescheidenen, aber nach ihrem Naturcharakter doch wichtigen Landschaften vor uns, denen unsere eingehende Beschreibung gewidmet ist: die Sächsische Schweiz und das Dresdener Talbecken.

Abb. 3. Altes Landhaus bei der Bahnwiese. Oberlößnitz.
Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu [Seite 6].)

Eingebettet zwischen dem Erzgebirge und dem Lausitzer Gebiet, viel jüngerer Bildung als die gewaltigen Massen des Urgesteins zu beiden Seiten, bilden die Landschaften an der Elbe eine Lücke in dem böhmischen Gebirgsringe und in dem großen hercynischen Gebirgszuge; und durch diese Lücke hat auch die Elbe die beiden Nachbarländer in eine natürliche Verbindung gebracht und Böhmen nach Sachsen und weiter nach Norddeutschland geöffnet. Keilförmig erstreckt sich das Gebiet von Südost nach Nordwest in der angegebenen hercynischen Richtung und ähnelt dem ganzen Gebirgssystem um so mehr und gewährt in seinen horizontalen Umrissen insofern ein kleines, aber getreues Abbild des großen Ganzen, als sich der Keil nach Nordwesten verjüngt, und die östlichen und westlichen Grenzen, die durch den Fuß der Lausitz und des Erzgebirges gegeben sind, am nördlichen Abschluß des Talbeckens sich bereits bis auf 6 km einander nähern, während die Breite des Sandsteingebiets im Süden der Sächsischen Schweiz vielleicht 36 km betragen mag.

Das Gebiet zerfällt nach seiner jetzigen Gestaltung in das Talbecken von Dresden und in die Sächsische Schweiz, die wir nun eingehend betrachten wollen.

Abb. 4. Groß-Sedlitz bei Pirna. Schloßgarten.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu [Seite 7].)

II.
Das Talbecken von Dresden.