Der Spiegel der Sebnitz liegt in der Stadt gleichen Namens 268,7 m über dem Meer, an der Mündung in die Polenz 128,1 m. Der Unterschied in der Höhenlage beträgt 140,6 m. Bei einer Tallänge von 15,3 km ergibt sich ein Gefälle von 1 : 109. Bei der Polenz beträgt der Höhenunterschied zwischen der Häselichtmühle (206,7 m) und der Mündung der Lachsbach (115 m) 91,7 m. Daraus folgt bei einer Tallänge von 11,3 km ein Gefälle von 1 : 124.
Wenn der Fall des Wassers im Sebnitztal noch größer ist, als an der Polenz, so dürfte die Ursache wohl darin liegen, daß der Boden des Sebnitztales noch auf längerer Strecke dem festen Granitboden angehört. Vielleicht ist aus derselben Ursache der Fall der Kirnitzsch noch geringer, weil er nur auf einer kurzen Strecke südlich von Lichtenhain den Granit berührt, sonst aber am längsten dem Sandsteingebiet angehört.
Abb. 78. Im Edmundsgrunde. Winterstimmung.
Liebhaberaufnahme von Hofgraveur P. J. Wolf in Dresden. (Zu [Seite 80].)
Liebethaler Grund.
Von einem Vergleich mit der Wesnitz sehen wir ab, weil dieser Bach, der übrigens bei 75 km Länge der bedeutendste Zufluß von der rechten Seite ist, nur auf kurze Strecke von Bärreute bis zur Grundmühle unterhalb Liebethal den Sandstein durchschneidet und von da an teils an der Grenze des Quadergebirges entlang, teils durch den südlichen Teil des Dresdener Talkessels fließt. Landschaftlich dagegen gehörte von Anfang an, als die Schönheiten der Sächsischen Schweiz mehr gewürdigt wurden, der enge Felsengrund von Bärreute bis zur Grundmühle unter dem Namen des Liebethaler Grundes ([Abb. 89]) zu den besuchtesten Partien. Vor Eröffnung der böhmischen Eisenbahn wanderten alle Besucher — und diese kamen fast ausnahmslos von Dresden — oder fuhren mit eignem Geschirr über Pillnitz nach Lohmen und besuchten von hier aus den Glanzpunkt des Grundes, die Lochmühle (d. h. Waldmühle, [Abb. 1]) und die Liebethaler Steinbrüche, wohl die ältesten im Sandsteingebiet, und ließen es wohl gar an dem Besuche dieses Grundes bewenden und kehrten dann nach Dresden zurück. Wer aber noch weiter ins Gebirge eindrang, besuchte die Bastei, Hohnstein und Schandau. In Lohmen wurde gewöhnlich das erste Nachtlager genommen; daher war das Erbgericht dort jahrzehntelang das beste und bestempfohlene Gasthaus, und weil der wachsende Strom der Vergnügungsreisenden immer denselben Weg nahm, so sah sich wohl auch der Pfarrer von Lohmen, Karl Heinrich Nicolai (1739–1823), ein begeisterter Freund der Natur und ein guter Kenner des Gebirges, dadurch veranlaßt, den ersten Führer durch die Sächsische Schweiz zu schreiben unter dem Titel: „Wegweiser durch die Sächsische Schweiz, aufgestellt von C. H. Nicolai, Prediger an der Grenze dieser Schweiz in Lohmen. Pirna 1801.“ Das Büchlein, kurz und praktisch verfaßt, erlebte in seinem anspruchslosen Gewande mehrere Auflagen und beginnt seine Beschreibung mit dem Liebethaler Grunde. Seinem Beispiele folgten fast fünfzig Jahre lang alle späteren Wegweiser und Reiseführer, bis Dampfschiff- und Eisenbahnverkehr darin einen Wandel hervorriefen. Da wir uns im Liebethaler Grunde bereits im nördlichsten, also niedrigsten Teile des Sandsteingebirges befinden, so sind die Felshöhen auf beiden Seiten der Wesnitz nur etwa 40 m über dem Wasser des Baches. Das Tal ist von Lohmen bis zur Grundmühle so eng, daß abgesehen von dem unteren Teil desselben, in dem sich die altberühmten Steinbrüche befinden, keine Fahrstraße im Grunde hingeführt werden konnte, und nur ein gutgepflegter Fußweg an den zwischen Felsblöcken dahinbrausenden Bache aufwärts leitet. Da die Hochflächen beiderseits guten Ackerboden haben, so liegen die Dörfer Lohmen und Daube auf der Südseite, Mühlsdorf und Liebethal auf der Nordseite hart am Grunde langgestreckt ausgedehnt, aber oben auf den Ebenheiten, unten aber nur einige Mühlen, zu denen man auf Steintreppen hinuntersteigen muß. Nur in Lohmen führt eine Kunststraße mittelst Steinbrücke über das Wasser. Wenn man von der Nordseite kommt, hat man da, wo sich der Fahrweg zur Wesnitz hinunterzieht, das alte Schloß Lohmen ([Abb. 90]), lange der Sitz eines Amtsgerichts, in überaus malerischer Lage gerade vor sich. Unzählige Male ist von hier aus und dann unten vom Wasser aus, bei der Vordermühle, das auf einem fast überhängenden Felsen thronende Schloß gezeichnet und gemalt und gehört schon seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts in den illustrierten Reiseführern und in einzelnen von Dresdener Malern entworfenen Blättern zu den ersten landschaftlichen Zierden der Sächsischen Schweiz.
Abb. 79. Die Edmundsklamm.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 80].)