Im Vergleich mit der Kamnitz und Kirnitzsch haben diese beiden Quellbäche der Lachsbach einen kürzeren Lauf durch den Sandstein, denn die Sebnitz tritt in dieses Gebiet erst von der Kohlmühle an, nördlich von Schandau ein, und die Polenz von Hohnstein an. Sie haben daher naturgemäß auch bereits auf ihrem längeren Oberlaufe tiefe Täler geschaffen; aber sie sind unwegsam und nur von wenigen Mühlen belebt.

Durch das Sebnitztal führt von Schandau nach Sebnitz eine Eisenbahn, auf der man wegen der vielen Windungen des Baches und der Enge des Tales durch sieben Tunnels auf einer Strecke von 15 km, also alle 2 km durch einen Tunnel kommt. Das früher selbst dem Fußgänger in manchen Teilen unzugängliche Tal zeigt nun dem Reisenden in raschem Zuge eine Fülle von wechselnden Landschaftsbildern.

Abb. 76. Die Wilde Klamm.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 80].)

Polenztal und Tiefer Grund.

Die Steigerung in der Art und Möglichkeit des Verkehrs durch die drei bisher betrachteten Täler ist bemerkenswert: An der Kamnitz Kahnfahrt und Fußpfade, an der Kirnitzsch Kahnfahrt, Fahrwege und elektrische Eisenbahn, an der Sebnitz Eisenbahn. Ganz einsam wird dagegen dann das Polenztal wieder. Von hohen, vielfach zerklüfteten Felswänden, wie bei den berühmten Aussichtspunkten „dem Brand“, oder von einzeln stehenden Felsmassen wie dem Hockstein ([Abb. 86]) auf beiden Seiten eingefaßt, geht der engste Teil des romantisch-schönen Grundes von Hohnstein ([Abb. 87]) südwärts bis zur Waltersdorfer Mühle. Auf den höchsten Klippen der östlichen Talwand steigt, alle Nachbarbäume weit überragend und durch seine stolze Krone von allen Seiten in die Augen fallend, der schönste Baum des ganzen Felsenlandes empor, die Königskiefer ([Abb. 88]). Von hier wendet sich der Bach in einem weiteren mit Wiesenboden geschmückten Tale nach Südosten, bis er kurz vor der Vereinigung mit der Sebnitz auch das Bächlein des Tiefen Grundes aufnimmt, durch den die Fahrstraße von Schandau nach dem Städtchen Hohnstein hinaufführt. Vor hundert Jahren, als der Besuch der Sächsischen Schweiz lebhafter zu werden begann, gehörte der Tiefe Grund zu den ersten Zielen einer Wanderung im Gebirge und wurde voll Bewunderung über die wilde Romantik dieser Felsenwelt in überschwenglichen Schilderungen empfohlen. Heutzutage liegt er abseits der besuchtesten Pfade und wird wohl nur noch betreten, wenn man den östlich davon gelegenen Waitzdorfer Berg erreichen will, der zwar schon zum Granitlande gehört, aber doch nahe dem Sandsteingebirge eine umfassende Rundsicht über die ganze Sächsische Schweiz bis ans Erzgebirge gestattet.

Abb. 77. Wilde Klamm. Dreyfußfelsen.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu [Seite 80].)

Wir wollen nun noch das Gefälle der beiden Bäche Sebnitz und Polenz betrachten. Für den Teil der Flüsse, der hier in Frage kommt, ist das Ergebnis überraschend. Es stellt sich nämlich ziemlich gleich heraus.