Abb. 74. Gasthaus an der Dürrkamnitz.
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu [Seite 79].)
Das Kirnitzschtal.
Wesentlich anderen Charakter hat das Kirnitzschtal. Zwar ist die Hauptrichtung der Kirnitzsch westlich, doch geht der Bach gerade da, wo sich die landschaftlich schönste Umgebung an seinen Ufern findet, von Norden nach Süden. Unterhalb des ersten Dörfchens an seinen Ufern, unter Hinterdaubitz, befindet sich ein ganz enges Felsental, das durch einen festen Steindamm abgesperrt ist, in dem nur eine aus Holz bestehende Schleuse einen Durchlaß gewährt. Die ganze Anlage, durch die das Wasser des Baches zu einem langgestreckten Teiche angespannt ist, dient der Flößerei, die besonders im Herbst und Frühjahr ausgeübt wird. Diese Anlage heißt die Obere Schleuse ([Abb. 82]). Das enge Felsental mit dem dichten Hochwalde und der üppigen Krautvegetation am Ufer und bis ins dunkle und stille Wasser, das die Umgebung in wunderbarer Klarheit spiegelt, gehört zu den eigenartigsten Landschaftsbildern der Sächsischen Schweiz. Obwohl das Tal nicht so wild wie das Kamnitztal ist, und durch die üppige Pflanzenwelt ein Fußweg neben dem etwa 600 m langen stillen Wasserspiegel hinführt, ist auch hier die Möglichkeit geboten, die Strecke im Kahn zurückzulegen und noch mächtiger die besonderen Reize der Landschaft auf sich wirken zu lassen. Die Obere Schleuse wird daher, besonders von Hinterhermsdorf aus, sehr viel von Lustreisenden besucht und von manchen sogar der Edmundsklamm vorgezogen. Die Kirnitzsch ([Abb. 83]) fließt dann durch ein enges, einsames Felsental, in dem nur an einer Stelle die wenigen zerstreuten Häuser von Hinterdittersbach liegen, nach Nordwesten bis zur Buschmühle ([Abb. 84]), der ältesten, originellsten und malerischsten Mühle, berührt dann auf ihrem weiteren westlichen Laufe, der bald über Granitboden mit freierem, sanfterem Gehänge, bald wieder durch Felsengen des Sandsteines bis nach Schandau führt, nur einzelne Mühlen, aber kein Dorf mehr. Doch ist durch den ganzen unteren Teil des Tales bis zum Lichtenhainer Wasserfall ([Abb. 85]) eine elektrische Bahn angelegt, um die Besucher des Gebirges rascher durch den ziemlich einförmigen Grund in die Nähe der Hauptschönheiten des oberen Gebirges, auf den vielbetretenen Fremdenweg zu geleiten, der über den Kuhstall, den Großen und Kleinen Winterberg bis zum Prebischtor und von da hinab nach Herrnskretschen führt.
Abb. 75. Die Grundmühle.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 80].)
Um nun zu zeigen, wie viel stärker das Gefälle der Kirnitzsch als das der Elbe ist, wollen wir nur die Talstrecke von Hinterdittersbach oder der Kirnitzschschänke bis zur Mündung in Rechnung bringen. Hinterdittersbach liegt 243,6 m ü. d. M., die Mündung bei Schandau 119 m. Die Länge des Baches beträgt auf dieser Strecke 21 km, das Gefälle 125 m; daraus ergibt sich das starke Gefälle von 1 : 168. Der ganze Lauf der Kirnitzsch beträgt etwa 44 km; das hier berücksichtigte Stück entspricht also etwa der Hälfte des Gesamtlaufes. Ohne hier weiter auf einzelne Untersuchungen einzugehen, weil sie uns aus dem Gebiet der Sächsischen Schweiz herausführen würden, soll nur bemerkt werden, daß im oberen Teile das Gefälle des Baches, im Bereiche des Lausitzer Granites, nicht so stark ist.
Lachsbach.
Der dritte Bach, die Lachsbach, entsteht aus der Vereinigung zweier ziemlich gleich großer Bäche, der Sebnitz, 30,5 km lang und der Polenz, 33,6 km lang. Beide entspringen in der Umgebung des Hochwaldes. Die Sebnitz hat aber im unteren Lauf, der den Sandstein durchschneidet, westliche Richtung, die Polenz dagegen südliche und südwestliche Richtung.