Abb. 94. Grundriß der Felsplatte des Gorisch (nach v. Gutbier).
Z Zugang; G Gipfel; B vorstehende Blöcke; L Längenabsonderung,
auf den Königstein treffend; Q Querabsonderung; F Fallrichtung
der Schichten. (Zu [Seite 102].)
„Die eine Absonderung streicht aus Nordwest in Südost, die andere aus Nordost in Südwest. Diese Klüfte aus Nordost in Südwest sind am häufigsten, aber die anderen von Südost in Nordwest wichtiger, denn in dieser Richtung ist der Felsen in zwei Teile getrennt und hat in ebenderselben seine längste Erstreckung.“
An diese allgemeinen Beobachtungen fügt von Gutbier dann noch die beachtenswerte Bemerkung: „Es bewährt sich hierbei wieder die alte Regel der das Gebirge am besten kennenden Forstmänner: Die Klüfte, welche an einer Seite der Felsen den Aufweg möglich machen, gestatten gewöhnlich auf der anderen Seite das Herabsteigen.“
Man darf aber nicht meinen, die Beobachtung dieser Erscheinungen komme in der Landschaft nicht zum Ausdruck. Wir wollen gleich das auffälligste Beispiel voranstellen. Man kann sich wohl vorstellen, daß, wenn wie am Gorisch die Klüfte sich fast rechtwinkelig schneiden und diese Klüfte an den aufragenden Felsen und „Steinen“ bis auf den Schuttkegel heruntergehen, dann solche eigentlich von der Hauptmasse des Felsens schon abgelöste Quadertürme niederbrechen und die rechtwinkeligen Lücken als ihren ehemaligen Standort noch lange Jahre erhalten. Das zeigt sich nun auf der Südseite der Felswände am Königstein, die geradezu im Zickzack verlaufen, was man besonders bei abendlicher Beleuchtung vom Pfaffenstein aus beobachten kann, wo die Felswände in gleichen Abteilungen beleuchtet sind oder im Schatten liegen. An anderen Orten treten aus den Felsmassen einzelne sich immer mehr verjüngende Pfeiler vor; so etwa am Heringsgrunde oberhalb Schmilka, in der Richtung nach der Heiligen Stiege. Es kann schließlich auch alles Gestein neben dem vordersten Pfeiler niedergebrochen sein; dann bleibt ein einzelner Turm stehen und „zeugt von verschwundener Pracht“. Dafür bietet der Felsenturm auf der senkrecht zerklüfteten Wand rechts vom Eingange in den Großen Dom ein schönes Beispiel oder die Barbarine am Pfaffenstein ([Abb. 101]) oder der Felsenturm an der Heiligen Stiege ([Abb. 102]) oder am Wildschützensteige ([Abb. 103]), den die Gebirgsvereinssektion Postelwitz am Fuße der Schrammsteine angelegt hat, oder der Bloßstock ([Abb. 104]), d. h. der alleinstehende Fels an den Klippenausläufern des Kleinen Winterberges, oder der Zuckerhut am Gabrielensteige ([Abb. 105]) im Prebischgrunde.
Wenn nun auch in der Regel die Klüftung von oben nach unten senkrecht verläuft, so ist gleichwohl doch nicht im entferntesten an eine Gleichmäßigkeit zu denken oder daß die Klüfte in annähernd gleichen Abständen niedergehen. Sie sind vielmehr häufig gesellig, dicht nebeneinander mehrere, und dann erst wieder in weiterer Entfernung. Wo sie nun gesellig auftreten, wird natürlich das Gestein der Felswand am meisten in kleinere Quadern zerlegt und diese verlieren, da die Verwitterung leichter in die wagerechten Schichten eindringen kann, leicht ihren Halt und brechen heraus. Da unten am Boden bei größerer Feuchtigkeit die Auflösung des Gesteins rascher fortschreitet, brechen am ehesten unten einzelne Quadern aus ihrem Zusammenhange und bilden so, bei fortschreitender Zerstörung, den Anfang einer Schlucht.
Abb. 95. Die Kleine Gans.
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu [Seite 90].)
Das Uttewalder Tor.