Darauf zog man vors Dorf und verkaufte den Todbaum für sechs bis acht Groschen. Und wer ihn erstand, nagelte ihn ans Haus. Er sollte vermutlich dann ein Schutzmittel gegen Krankheit und Tod abgeben und das Haus sollte samt seinen Bewohnern vor dem bleichen Gaste gefeit sein. Den Beschluß machte dann des Abends das Absingen von beliebten Gesangbuchliedern; dieses Singen wurde bis Ostern noch an mehreren Abenden wiederholt.
Diakonus Glootz in Schandau, dessen Schilderung (Über Berg und Tal, Bd. VI 291) wir diese Mitteilungen entlehnten, erzählt weiter, daß man in Postelwitz die zu dem Todaustreiben verwendeten Kinderpuppen von den jungen Frauen, die seit dem letzten Todaustreiben verheiratet waren, zu erwerben suchte. Die Puppen hießen Brauttode. Die größeren Schulknaben bemühten sich nun, solche Puppen zu bekommen. Diese wurden gern gegeben, die jungen Frauen gaben wohl gar außer der Puppe dem Bittsteller noch ein Geschenk von acht bis zehn Groschen drauf. Dieser alte Brauch nahm 1844 ein jähes Ende und zwar infolge der Anzeige eines Gensdarms an das Amt in Hohnstein. Es hatte jedenfalls seine religiöse Empfindung unangenehm berührt, daß die größere Jugend das Todaustreiben während des Gottesdienstes begann — „ein alter Brauch aus dem Heidentum“ —, wie der Polizist mit Recht bemerkt; „was ich jedoch durch Wegnahme der Karikatur vereitelte“. Der Tod wurde also arretiert und der Gensdarm berichtete weiter: „In Postelwitz zogen fast die ganzen Schulkinder in einer versammelten Schar im Dorfe umher und waren hierbei eine größere Anzahl Schulknaben ebenfalls mit auf Stangen gespießten Karikaturen versehen. Diese, sowie die übrigen nicht mit dergleichen Puppen versehenen Kinder zogen unter heftigem Wüten und Toben im Dorfe umher, und sind dieselben gemeint, auf diese Weise den Wintertod auszutreiben, worüber deren Eltern ihre Freude bezeigen. Bei diesem lärmenden Umherziehen üben diese Kinder eine feine Bettelei aus, indem sie die diese Gaukelei liebenden Einwohner um Gaben ansprechen. Auf dieses Todaustreiben folgt nun in den nachfolgenden Tagen bis auf Ostern abends das sogenannte Ostersingen, welches dann mit dem Osterschießen beendigt wird. Bei allen diesen Gelegenheiten findet der größte Unfug statt, indem am Ostersingen das ledige Personal teil nimmt. Da nun von einigen Einwohnern dieser Ortschaften Beschwerde über diese Übelstände geführt worden ist“ u. s. w.
Auf diese Anzeige hin erhielt der Pastor in Schandau den Auftrag, den angezeigten Unfug der Schuljugend auf geeignete Weise abzustellen, was dann auch geschah.
Abb. 148. Bauer aus Weißig.
Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu [Seite 160].)
In Schöna und Reinhardtsdorf wird noch jetzt der Todbaum, eine aufgeputzte Birke, unter Gesang durchs Dorf getragen. Die Kinder selbst ziehen mit grünen Maien hinterher. Fällt Lätare zu zeitig, daß das Laub noch nicht heraus ist, dann legt man vorher die Birkenreiser ins Wasser, um die Knospen zu treiben. Dieser Zweig wurde dann später bei Aufgang der Sonne in fließendes Wasser geworfen, um den Tod zu ersäufen. Während des Umzuges durchs Dorf erklang das Lied:
Den Tod, den Tod haben wir ausgetrieben,
Den lieben Sommer bringen wir wieder.
Die Mädchen und die Maien;
Da wachsen Blümlein und Feigeln,