K. Franke gibt in der Sächsischen Volkskunde von Wuttke eine ganze Reihe von Wörtern, von denen er meint, sie kehrten in den meisten obersächsischen Mundarten wieder, z. B. apblatn (einzelne Blätter von den Kräutern nehmen), aptofln (ausschelten), ärpern (Kartoffeln), bärladsch (Filzschuh), bemme (ein flachgeschnittenes Stück Brot), betäpperd (verblüfft), blaudse (Brust), breedn (fertig bringen), tattrich (Zittern), debs (Lärm), tembrn (die Zeit vertrödeln), titsche (Sauce, Verlegenheit), towrich (schwül), tutch (dumm), eschrn (sich abmühen). Diese wenigen genügen hier, um den eigentümlichen Wortschatz dieser Mundart zu kennzeichnen. Es wird hier vielleicht noch besser am Platze sein, zum Schluß unserer ganzen Darstellung eine Probe der meißnischen Mundart und ganz besonders aus der Sächsischen Schweiz selbst zu geben. Wir entnehmen diese Probe einem älteren, immer noch sehr geschätzten Werke von K. Preusker (Blicke in die Vaterländische Vorzeit, Leipzig 1843, II. 56); und wenn auch die Schreibweise nicht mehr den neuen Anforderungen einer schärfer unterscheidenden Sprachwissenschaft genügt, so scheint uns doch eine Umschmelzung für unsere Darstellung nicht am Platze, namentlich da die Zeit der ersten Niederschrift Preuskers schon um 60 Jahre zurückliegt.

Abb. 149. Hochzeitszug bei Naundorf.
Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu [Seite 160].)

Mundart der Elbgegend um Hohnstein und Wehlen.

Ein Steinbrecher bietet sich einer von der Bastei herabkommenden Gesellschaft als Führer an und erklärt nun das Bemerkenswerteste nach seiner Weise: „Wenn Se hier fremde sein duhn un nich wissen, wo der Wahk giht, su will ich Se führen, wenn Se wunn. Sähn Se hier ungen leit Roaden (Rathen) un doa uben leit eene oale Burg, weil Se oaber schune runger sein, doa wären Se nich erscht roan steign; man sieht nischt wedder als en oaln Durm, un drunger ees e Kaller. In oalen Zeiden han eemoal oale Ridder druben gewohnt, ich weeß oaber nischt darvunn, un’s gibt wull lange keene raichten me, wenn oach manche so duhn, als wärn’s welche. Uff dr linken Seite ees de Elbe; se hat wedder uben viäl Strum, doa missen se Ucksen firspann, wenn sie ni furt kinn. Ooch’s oale Dampfschiff (das zuerst erbaute) ees schund uft liegen gebliebn. ’s ies en schund raicht, weil se unsern Schiffleiden viäl Abbruch dhun. Jetzt sein mer bale unger der Bastei. Do iber uns is a Fels, der heeßt de Steenschloider, do haben de Raiber sonst Steene bis uff de Schiffe in der Elbe geschmissen, die se han beroben wunn; ’s is aber nicht wohr; ’s is gar weit nibber, un wenn mer von dort uben en Steen nider werfen dhut, kommt er nur e klee Stückel her un dhut gleich an Felsen runger fallen. Sähn Se, hier han mir Steenbrecher eene Wand gefällt, e Sticke dervund leit in der Elbe. ’s ees duch immer besser, als wenn’s uffn Steenbrechern liegen dhäte. Se globen mersch wuhl nich? Vor dreizen Jahren, ’s war grade na Fingsten, kamen eemoal dreizen unger eene sicke Wand, ochte waren glei dut geschmissen, oaber finfe wurden erschtn sechsten Toag rausgesoh’n. Ich hoa sälber mit gereimt. Un wie se raus kummen dhaten, doa kunnten se nich giähn, se läbten oaber noch, un weil se so hungrich gewiäßt waren, doa hatten se vun en duten Kammeraden e Stickel abgeschniden un gegässen. ’s is och in en Bichel gedruckt wurrn. Hier müßmer fix giähn, denn weil eene Doafel doa stiht (zur Warnung wegen sich lösender Sandsteinwände), doa werd wieder eene Wand fallen. Hernachens kummer uff eene Wiese, doa giht’s bässer, die ees ä Sticke geflastert (nämlich wegen darauf gefallener Sandsteine). Durt sähmer schund Willstädtel (Wehlen, Wehlstädel). Ich hoa oach eene Schwester durt, die hatte en Schiffmann, er dhate oaber in der Elbe ersaufen. De Kerche ees oach racht schihn, eegentlich summer nachen Kinsten (Königstein) giähn, oaber doas es zu weit, de Kinder mißmer oaber durt doafen lassen. Un durt uben, übern Stadtel, is oach en oales Schluß gewiäsen. Da hoat sich in e oales Gemeier vun de oalen Riddern ä Schuster eigebaut un dhut sich stulz druf. — Ich muß abber nu furt, denn weil ich kee Schild hoaben dhue, doa derf ich kennen urdentlichen Führer machen. Bis Berne (Pirna) ees es nuch anderthalb Stunden. Schloafen Se wuhl. ’s giht nu grade aus.“

Dergleichen Unterhaltungen und Belehrungen konnte man in früheren Zeiten auch von den privilegierten Führern hören. Gerade darum ist dieses Beispiel der Mundart hier am Platze, wo es sich nicht bloß um die richtige Erkenntnis der Natur, sondern auch um Mitteilungen aus der Volkskunde handelt. Das Führerwesen selbst wird aber auch wohl bald der Vergangenheit angehören. Denn wo eine Berglandschaft so bequem zugänglich gemacht ist und überall genügende Wegweiser hat, wo die bekanntesten Wege so viel begangen werden, und manche Teile parkartige Szenerien bieten: da ist der Naturfreund nicht mehr auf fremde Führung angewiesen und nimmt allein und ungestört die mannigfachen Schönheiten der Sächsischen Schweiz tiefer in sich auf denn sonst.

Literatur.