Von Cambalu aus, wo 1305 eine Kirche gebaut und ein Kloster gegründet wurde und wo der Franziskaner das Oberhaupt der christlichen Gemeinde, im Range eines Erzbischofs[43] wurde, schrieb er noch zwei Briefe in die Heimat, im Januar 1305 und im Februar 1306. Ein dritter Brief, oder eigentlich der Schluß des zweiten Briefes, ist später von Menentillus von Spoleto mitgetheilt, woraus man früher die irrthümliche Folgerung zog, daß Menentillus selbst in China geweilt habe. Montecorvino scheint der erste und auch der letzte Erzbischof von Cambalu gewesen zu sein.[44]

Zwischen 1316 und 1318 folgte seinen Spuren ein anderer Ordensbruder Odorich von Pordenone in Friaul. Er nahm seinen Weg über Konstantinopel, Trapezunt und Armenien nach Tebris, wo zwischen 1284 und 1291 bereits ein Pisaner Kaufmann, Jolus oder Ozolus ansässig gewesen war. Ueber Sultanieh und Kaschan ging er nach Jesd. Auf Kreuz- und Querzügen, abseits von dem gewöhnlichen Karawanenwege, scheint er an den persischen Golf gekommen zu sein. Er schildert die beweglichen Sandmassen der Wüsten im Innern Persiens, rühmt die ausgezeichneten Feigen und grünen Trauben von Jesd, besuchte die öden Palasttrümmer von Comerum (wahrscheinlich Persepolis) und ging über Schiras ins Tigristhal hinab nach Bagdad. Am babylonischen Thurme vorbei gelangte er ans persische Meer und nach Ormuz, stieg hier zu Schiff und fuhr auf einem gebrechlichen Fahrzeuge, dessen Planken ohne Eisennägel nur durch Kokosfäden zusammengenäht waren, ähnlich wie es Polo und Montecorvino bereits beschrieben hatten, in 28 Tagen nach Tana auf Salsette nördlich von Bombay und von da nach Malabar (Minibar), wo der beste Pfeffer gedeiht. Dort blühten damals die Plätze Flandrina (Pandarani), eine jetzt verschwundene Stadt, nördlich von Kalikut, und Cyngilin, d. i. Kranganor, südlich von Kalikut, damals der Sitz einer der ältesten Dynastien in Malabar.[45] Um die Südspitze Vorder-Indiens herum ging die Fahrt weiter nach Mobar (Koromandel), wo nach der Ansicht Odorichs der Leib des heiligen Thomas begraben liegt. Auch Ceylon wurde besucht, wo es Vögel mit 2 Köpfen (Tukan) gibt, und von hier auch Mailapur (Madras) erreicht. Eine Seereise von 50 Tagen brachte unsern Glaubensboten an den Nicobaren (Nicoveran) vorbei nach Lamori, einem Reiche von Sumatra.[46] Wegen der Hitze gehen die Einwohner nackt, es herrscht bei ihnen Weibergemeinschaft, wie auch auf der Insel Pagi oder Pagai westlich von Sumatra, und Landcommunismus, auch sind sie dem Canibalismus ergeben. Das Gebiet bringt Gold, Kampfer, Aloeholz, Reis und Weizen hervor. Weiter gegen Süden liegt das Reich Sumoltra. Hier begegnen wir zum ersten Male unverkennbar dem heutigen Namen der Insel, welcher von dem Königreiche auf das ganze Eiland übertragen ist. Nachdem Odorich noch verschiedene Häfen besucht hatte, wandte er sich nach der reichen Insel Java, welche nach seiner Vorstellung, eine arge Uebertreibung — gut 3000 Meilen Umfang hat. An Produkten lieferte diese zweitschönste von allen Inseln Kampfer, Kubeben, Kardamom- und sogar Muskatnüsse. Mit Gold und Silber geschmückte Tempel verkündeten die Macht und den Reichthum der Fürsten. Von hier kehrte Odorich nach dem Norden zurück, berührte die Südküste Borneos, wie sich aus den von ihm erwähnten Produkten Sagomehl, Palmwein, Bambus u. s. w. ergibt, besuchte das Königreich Zampa (Tschampa), wo der König viele gezähmte Elephanten besitzt, und endete in Kanton, im Lande Manzi (Südchina), welches auch Ober-Indien genannt wurde, seine Seereise. Er bezeichnet diesen berühmten Seehafen mit dem Namen Censcalan.[47] Die Stadt liegt eine Tagereise vom Meere entfernt an einem großen Flusse und treibt den ausgedehntesten Seehandel. „Ganz Italien besitzt nicht so viele Schiffe als diese eine Stadt.“ Die betriebsame, dichte Bevölkerung Chinas und seine zahlreichen Städte machten einen gewaltigen Eindruck. Odorich greift wohl etwas zu hoch, wenn er meint, es gäbe in Manzi 2000 Städte, welche größer als Vicenza oder Traviso seien. Allein eine annähernde Zahl von Städten besteht nach der Zusammenstellung Yules (Cathay I, 104) noch jetzt. Von Kanton wandte sich Odorich nach Zayton und von da nach dem Hafen Fuzo (Futscheu). Die weitere Landreise führte sodann durch manche Städte und über ein hohes Gebirge, in welchem zwei verschiedene Menschenrassen hausen, nordwärts zu einem großen Fluß, in welchem er zuerst die Kormoranfischerei kennen lernte, und dann nach Cansay, dem Quinsay Polo’s. In Bezug auf die Größe dieser Weltstadt übertreibt er noch mehr als sein Vorgänger. Die Stadt liegt in den Lagunen wie Venedig, hat 100 Meilen im Umfange und von den 12 Hauptthoren aus erstrecken sich die Vorstädte noch meilenweit ins Land hinein.

Von hier gelangte der Franziskaner nach Chilenfu (Nanking), wo zuerst die Könige von Manzi residirten. Damals hatten die Umfassungsmauern eine Länge von 40 Meilen,[48] jetzt nur die Hälfte. Auf dem großen Strome Talay (Ta kjang oder Yang tse kjang) ging die Fahrt an manchen Städten vorbei zum Schifffahrtscanal, und über den Hwangho endlich nach Cambalech (Peking), wo Odorich 3 Jahre verweilte und einer der von Montecorvino gegründeten Kirchen vorstand.

Als neue Beobachtungen des chinesischen Lebens, welche Polo unerwähnt gelassen, erzählt Odorich, es sei ein Zeichen der Vornehmen, sich lange Nägel wachsen zu lassen, bei einigen werde der Daumennagel so lang, daß er rund um die Hand gehe. Bei Frauen gelte es als Schönheit, sehr kleine Füße zu haben. Daher pflegten die Mütter den neugeborenen Mädchen die Füße fest zu umwickeln, daß dieselben nicht wachsen könnten. Auch beschreibt er zuerst die weißen Hühner mit wollhaarigem Gefieder, welche nur in China heimisch sind.[49]

Ueber den Weg, welchen Odorich auf seiner Heimreise einschlug, wissen wir nur soviel, daß er sich von Peking westwärts ins Binnenland, in das Land Tenduc, welches er für das Reich des Priesters Johann hielt, begab, vielleicht auch Singanfu besuchte und über die Hochgebirge nach Tibet und seiner Hauptstadt Lhasa vordrang. Hier verlieren sich alle Spuren; möglicherweise führte die Route durch Persien über Tebris wieder zurück. Um 1330 gelangte er wieder nach Venedig und starb im Januar 1331 in Udine. Auf einem Theile seiner Wanderung hatte er einen irischen Mönch Jakob zum Begleiter. Er war der erste Europäer, welcher Tibet sah.

Hand eines reichen Annamiten.

Auch auf dem nördlichen Handelswege nach Centralasien fanden sich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eifrige Glaubensprediger ein, denn der Pabst hatte allen, welche im Dienste der Kirche sich den Mühen und Gefahren unterzogen, unter den Tataren das Christenthum zu verbreiten, denselben Ablaß „a poena et a culpa“ verheißen, wie denen, welche nach Jerusalem pilgerten. So zog 1338 auch der spanische Franziskaner Pascal von Vittoria von Venedig aus, fuhr übers schwarze Meer nach der Krim (Gazaria) und Asow (Tana) und begab sich dann in Gesellschaft einiger griechischer Händler zu Wagen nach Sarai (Sarray), wo er, wahrscheinlich im Ordenskloster der Stadt, über ein Jahr lang verweilte, dann die Wolga (Tygris) hinab ins Meer von Baku (Vatuk), d. i. das kaspische Meer gelangte und nach 12 Tagen Saraitschik (d. h. kleiner Palast) am Uralflusse erreichte. Der Ort liegt gegenwärtig in Ruinen. Pascal war im Stande, mit den Tataren in ihrer Sprache zu verkehren, denn er hatte in Sarai die kumanische (chamanische) Sprache und die uigurische Schrift, welche bis nach China verstanden wurde, sich angeeignet. Vom Uralflusse verfolgte er, nachdem sein bisheriger Begleiter Fra Gonsalvo Transtorna umgekehrt war, seinen Weg allein, ritt zu Kamel durch die turanische Steppe nach Chiwa (Urganth) und predigte dort in der Landessprache. Von da aus drang er ins Reich Tschagatai (Imperium Medium der Abendländer), wurde durch Kriegsunruhen zwar mehrfach aufgehalten, kam aber doch endlich nach Almalik (Armalec) der Hauptstadt von Tschagatai, in der Nähe des heutigen Kuldscha, und verkündigte trotz aller Verfolgung glaubensmuthig die christliche Lehre. Von hier aus sandte er einen Brief, den einzigen, nach Europa, in welchem er über seine Reisen berichtete. Leider ist er, wahrscheinlich schon im nächsten Jahre, 1339 als Märtyrer gefallen.[50] In demselben Jahre erreichte auch ein Kaufmann, Wilhelm von Modena, die Stadt Almalik.

Die letzte große Wanderung quer durch Asien führte der Franziskaner Johann von Marignolli, ein geborener Florentiner (geb. 1290) aus. Auf einen Brief des Großchans, vom Juli 1336, welcher 1338 nach Avignon gelangte, schickte der Pabst Benedikt XIII. eine Gesandtschaft, aus 32 Personen bestehend, im December desselben Jahres von Avignon ab. Unter den Sendlingen befand sich auch Marignolli. Man kam auf dem bekannten Wege über Konstantinopel und Kaffa im Herbst 1339 nach Sarai, wo man überwinterte, und schlug dann die Handelsroute über Urgendsch nach Almalik (Armalec) ein. Hier blieb Marignolli bis 1341 und zog dann über Komul (Kamil) nach Peking, wo die Gesandtschaft bei dem Kaan eine Audienz hatte unter Vortragen des Kreuzes und unter dem Gesange: „Credo in unum deum.“ In Cambalu verweilten sie 3 bis 4 Jahre als Gesandte des Pabstes am kaiserlichen Hofe, dann ging die Wanderung weiter nach dem Hafen Zayton. Die Schilderung, welche Marignolli von China entwirft, ist etwas verworren. So hält er den Hwang ho und den Yang tse kjang für ein und denselben Strom. Von dem Lande Manzi, d. i. Südchina, welches früher unter dem Namen India maxima bekannt war, sagt er, es habe 30,000 große Städte, unter denen Campsay (Quinsay) die schönste, größte, reichste und wunderbarste sei mit zahlreichen Prachtgebäuden und Götzentempeln, in denen bisweilen 1000 bis 2000 Mönche wohnten. Zu Ende des Jahres 1347 segelte Marignolli nach Indien. Unterwegs stattete er auch der Königin von Saba[51] einen Besuch ab und landete dann an der Küste Malabar in Indien in der Stadt Columbum (Quilon oder Kollam). Denn hier verkehrten auch chinesische Handelsschiffe. In Kollam existirte eine Gemeinde von Thomaschristen. Die Vorsteher derselben bewahrten in Folge eines alten Privilegiums das Normalgewicht (statera), mit welchem Pfeffer und andere Spezereien gewogen wurden. Daher nennt Marignolli sie auch „die Herren des Pfeffers“.[52] Bei dieser Stadt errichtete er auch eine Marmorsäule mit Kreuz und salbte es mit Oel. An der Säule befanden sich die Wappen des Pabstes und Marignolli’s mit indischer und lateinischer Schrift. „Ich weihete es,“ erzählt der Bote des Pabstes, „und segnete das Denkmal in Gegenwart einer unendlichen Menschenmenge und wurde auf den Schultern von Häuptlingen in einem Palankin getragen.“ Von da begab sich Marignolli nach Ceylon; aber das Paradies, welches nach Mittheilungen der Eingebornen im Innern liegen sollte, hat er selbst nicht gesehen. Nach der Ansicht des Johannes Scotus ist das Paradies auf dem höchsten Punkte der Erde gelegen und reicht bis in die Mondsphäre hinein. Daher muß das Wasser, welches aus dem Garten Eden entspringt und die Bäume tränkt, mit starkem Falle herabstürzen. Die Singhalesen fanden daher auch bei Marignolli Glauben, wenn sie ihm erzählten, man könne das Rauschen der Paradiesquelle 40 Meilen weit hören. Auf der höchsten Spitze des Berges ist noch der Fußstapfen Adams und das Haus zu sehen, das er selbst gebaut hat.

Auf der Rückkehr von Ceylon nach der Koromandelküste fiel Marignolli mohammedanischen Seepiraten in die Hände und wurde aller Werthgegenstände, die er aus dem Osten mitgebracht, beraubt; aber man schonte seines Lebens und so konnte er über Ormuz, Bagdad, in dessen Nähe er die Ruinen des Thurmes zu Babel (d. h. den Mudschelibe) besuchte, über Mossul, wo er die Ruinen von Ninive gesehen, Haleb und Damaskus nach dem Abendlande heimkehren und 1353 dem Pabste in Avignon das Antwortschreiben des Großkaan überreichen.[53]