Die Expedition des Diogo Cão war für 3 Jahre verproviantirt, hatte allerlei Handelswaaren mitgenommen und außerdem als Geschenke an die Mohrenkönige 18 köstlich aufgezäumte Rosse an Bord. Südlich vom Cap der heiligen Catharina begannen die neuen Entdeckungen. Zuerst wurde der gewaltigste aller afrikanischen Ströme, der Congo, erreicht, an dessen Mündung der erste Wappenpfeiler,[79] und zwar auf der Südküste errichtet wurde. Danach hieß man anfänglich den Fluß Rio de padrão (bei Behaim Rio de patron). Die Pfeilerspitze liegt unter 6° 8′ s. Br., auf dem Globus Behaims ward aber die Mündung des Flusses bereits vom südlichen Wendekreise durchschnitten. Später nannte man den Strom nach dem gleichnamigen Königreiche Congo, obwohl man von den Eingebornen den Namen Zaire gehört hatte. Den Entdeckern fiel bereits die Mächtigkeit des Stromes auf, der vor seiner Mündung meilenweit das Meer mit süßem Wasser bedeckte. Diogo Cão fuhr eine Strecke in den Unterlauf hinein und fand allenthalben viel schwarzes Volk. Von der ganzen Küste wurde im Namen des Königs von Portugal Besitz ergriffen. Hie und da wurden auch Eingeborene mitgenommen, um, nachdem sie etwas Portugiesisch gelernt hätten, als Dolmetscher zu dienen. Der König von Congo, mit dem Cão Verkehr anknüpfte, bat sogar um christliche Lehren, und sein Abgesandter, Kassuta, ließ sich in Portugal taufen. Man war erfreut über die Menge neuer Gewürze. Behaim wähnte sogar die echte Zimmtrinde gefunden zu haben. Vom Congo drang Cão noch über 200 Leguas nach Süden, errichtete den zweiten Wappenstein am Cap Agostinho nördlich von Cap Negro unter 13° 27′ s. Br. und den dritten am Cap Negro selbst unter 15° 40′ s. Br.[80] Dieser Berg ist auf Behaims Globus besonders ausgezeichnet als ein eigenthümlich schroffer Fels, der in seiner Form von der conventionellen Bergzeichnung abweicht und in rother Schrift den Namen Monte nigro trägt. Daneben lesen wir die Inschrift: „Hie wurden gesetzt die säulen des konigs von portugal anno domini 1485 d. 18. jan.“ Irrthümlich hielt Behaim diese Spitze aber später für das Cap der guten Hoffnung, welches Dias im nächstfolgenden Jahre entdeckte. Das Datum des 18. Januar scheint zu gleicher Zeit den Zeitpunkt anzugeben, wo man auf dieser Reise den südlichsten Punkt erreichte. Die Dauer der ganzen Fahrt betrug 19 Monate.
Astrolabium des Joh. Regiomontanus vom Jahre 1468.[81]
Man muß die Verdienste Behaims bei dieser Entdeckungsfahrt sehr hoch angerechnet haben, da er nach seiner Rückkehr vom Könige selbst zum Ritter des Christusordens, welcher aus dem Tempelherrnorden hervorgegangen war, geschlagen wurde, und zwar in Gegenwart des ganzen Hofes.
Schon im nächsten Jahre ging ein neues Geschwader aus, aber nach den Maximen der Regierung unter einem andern Commando: man wollte nicht einem Manne zu sehr verpflichtet sein. Es war ein staatskluger Grundsatz, dessen Vortheile erst recht ins Licht traten, als die spanische Regierung in Folge zu weitgehender Zugeständnisse gegen Columbus in mancherlei Verlegenheiten gerieth.
2. Bartolomeu Dias.
Im August 1486 segelte Bartolomeu Dias mit zwei kleinen Fahrzeugen von 50 Tons Gehalt, von denen das eine unter dem Befehl des João Infante stand, und einem Proviantschiff unter dem Befehl seines Bruders Pero Dias aus, um die Küstenforschung Diogo Cão’s fortzusetzen. Die Familie der Dias hatte sich seit dem Anfange der Unternehmungen des Infanten Don Enrique im Seedienst ausgezeichnet. João Dias, der Ahne des Geschlechts, war zuerst mit ums gefürchtete Cap Bojador gesegelt; Diniz Dias erreichte zuerst das grüne Vorgebirge.
Bartolomeu sollte die rühmlichen Thaten der Vorfahren noch verdunkeln; und seinen Namen volksthümlich machen.
An der Congoküste und bis über das südliche Cap der guten Hoffnung hinaus wurden während der Fahrt Negerinnen mit Geschenken ans Land gesetzt, um dasselbe zu erkunden und den Eingeborenen von der Macht und Pracht der Portugiesen zu erzählen, welche gekommen seien, das Land des Priesters Johannes aufzusuchen. Durch das sich weiter verbreitende Gerücht sollte der Priesterkönig veranlaßt werden, seinerseits Boten auszusenden, welche mit den Portugiesen eine Annäherung suchten. Den ersten Wappenstein setzte Dias bei der Serra parda nördlich von der Walfischbucht. Dann wurde er durch widrige Winde mehrere Tage aufgehalten und mußte mühsam laviren. Er nannte diese Bucht Angra das voltas. Der Name eines Cap Voltas haftet noch an der Küste, nahe der Mündung des Oranjestroms. Vom St. Helenagolf mußte er 13 Tage lang mit eingerafften Segeln sich von dem Sturm nach Südost treiben lassen. Dabei gerieth er in kältere Meeresströmungen und war von der schnellen Abnahme der Temperatur überrascht. Als der Sturm nachließ, steuerte er wieder gegen Osten, um die Küste zu gewinnen, welche nach seiner Vorstellung von Norden nach Süden vorlaufen mußte wie bisher. Als er aber nach mehreren Tagen noch kein Land in Sicht bekam, richtete er den Lauf der Schiffe nach Norden und erreichte so das Südende des Continents an einer Bucht, wo Hottentotten mit ihren Herden weideten und über den Anblick den Schiffe erschreckt ins Binnenland flohen. Die Bai erhielt den Namen der Kuhhirtenbai (Angra dos Vaqueiros); jetzt heißt sie Flesh-Bai.
Weiter gegen Osten in der San Bras-Bai (Mosselbai) nahm er Wasser ein, wobei es zum Conflict mit den Eingeborenen kam; auf einer kleinen Insel Santa Cruz in der Algoabucht wurde der äußerste Wappenpfeiler gesetzt. Erschöpft durch die unerhörten Strapazen, welche sie erlitten, forderten die Schiffsleute den Capitän auf, umzukehren. Man wies auch darauf hin, daß der Proviant zu Ende gehe. Dias bedang sich noch eine Fahrt von zwei bis drei Tagen aus; wenn sich dann nicht ein Erfolg zeige (er erwartete wohl, daß die Küste wieder gegen Norden streiche) wolle er umkehren. Daß das Südende Afrikas umsegelt sei, sah er gewiß; daß das lang erstrebte Ziel sich nunmehr ohne große Schwierigkeiten werde gewinnen lassen, war seine feste Ueberzeugung. Nach einer Fahrt von zwei Tagen, in welchen die Schiffe noch 25 Meilen über den Wappenpfeiler hinaus bis zum großen Fischfluß vordrangen, welcher damals den Namen Rio do Infante erhielt, weil der zweite Capitän João Infante das Land zuerst betrat, sah sich Dias genöthigt, schmerzerfüllt den Heimweg anzutreten. Es wird uns erzählt, daß, als er zum zweiten Male die Insel Sa Cruz betrat, er den Wappenstein umklammert und nur mit schwerem Herzen Abschied von ihm genommen habe, wie wenn er einen geliebten Sohn scheiden sehe.