Gama ging darum nicht zuerst selbst ans Land, sondern schickte Coelho mit mehreren Begleitern zum König, damit er ihm die Bitte um freien Handel und friedlichen Verkehr vortrage. Wenn das zugesichert werde, wolle der Admiral persönlich die Geschenke und Briefe des königlichen Herrn überreichen.
Bei der Landung der Portugiesen lief das Volk zusammen, verhielt sich aber ruhig, als diese zum Palaste geleitet wurden. Da sich aber der Samorin inzwischen durch seine Beamten über das Erscheinen und Benehmen der Fremden genau berichten ließ, so verging darüber der Tag, ohne daß eine Audienz anberaumt wurde. Coelho blieb daher über Nacht im Hause eines Edelmanns.
Am nächsten Morgen kam der Schatzmeister und erklärte, sein Herr sei unwohl und könne die Gesandtschaft nicht empfangen, Coelho möge ihm daher den Inhalt seiner Botschaft anvertrauen, er werde ihn dem Könige übermitteln. Coelho aber erwiderte, er habe directen Auftrag, und wenn der König krank sei, werde er bis zu günstiger Zeit wieder aufs Schiff zurückkehren. So bequemte man sich denn zur Audienz. Coelho begrüßte den Samorin ehrfurchtsvoll, blieb aber schweigend stehen, bis ihn der König aufforderte, seinen Auftrag auszurichten. Als dies geschehen, wollte der König die Audienz schließen mit dem Bemerken, die Antwort werde ihm später durch den Schatzmeister zugehen. Allein auch darauf ging Coelho nicht ein, sondern erbat sich directen Bescheid, den ihm der Samorin dann in wohlwollender Weise gewährte. Zum Zeichen des Friedens erhielt Coelho den königlichen Namenszug auf einem Palmenblatte und begab sich damit wieder an Bord. Sobald dort der Erfolg bekannt geworden war, wurden die Schiffe beflaggt, Trompeten erklangen und die Kanonen donnerten Salutschüsse über den Hafen hin.
So war durch das feste Auftreten Coelho’s die schwankende Politik der königlichen Rathgeber bei Seite gedrängt. Das königliche Wort war eine Bürgschaft des Friedens.
Dann rüstete sich Gama selbst, zu einer Audienz ans Land zu gehen; aber, gewarnt durch den indischen Castilier, that er es nicht eher, als bis er durch eine Anzahl vornehmer Geißeln aus dem Stande der Nair genügend gedeckt war. Dann erst betrat er in festlichem Aufzuge, in Weiß und Roth gekleidete Trompeter voraus, die Stadt und wurde in einem Palankin zum Palaste getragen. Hier wurde er vom Samorin in feierlicher Audienz empfangen. Correa gibt uns von dieser Scene ein genaues Bild. Der König saß auf einem Divan. Er war von sehr dunkler Hautfarbe, der Oberkörper nackt, von der Mitte des Leibes an bis zu den Knien in Weiß gekleidet. Eines seiner Kleidungsstücke endigte in einer langen Spitze, an welcher mehrere goldene Ringe mit großen, glänzenden Rubinen angereiht waren. Am linken Arme über dem Ellbogen trug er eine Spange, die aus drei Ringen zusammengesetzt schien und von Juwelen strotzte; namentlich trug der mittlere höchst werthvolle Steine, und von ihm hing noch ein Diamant von der Dicke eines Fingers herab. Um den dunkeln Hals trug er eine helle Perlenschnur, deren Glieder die Größe einer Haselnuß hatten. Zweimal umgeschlungen reichte diese Schnur vorn bis auf die Mitte der Brust herab, und darüber trug er eine feine Goldkette mit einem Schmuck in Gestalt eines Herzens, welches aus einem Geschmeide von Perlen und Rubinen bestand, dessen Mittelpunkt ein großer Smaragd bildete. Das lange schwarze Haar trug der Samorin auf dem Wirbel in einen Knoten geschürzt und mit Perlenschnüren umwunden; an den Ohren prangten zahlreiche Goldringe.
Rechts und links vom Throne standen Leibpagen mit reichverzierten Waffen und mit einem goldenen Spucknapf. Der erste Brahmane reichte dem Fürsten von Zeit zu Zeit ein Blatt Betel, welches derselbe kaute und dann in den goldenen Napf ausspie.
Nachdem sich Gama tief vor der indischen Majestät verbeugt hatte, reichte ihm dieselbe die rechte Hand entgegen und berührte mit den Fingerspitzen die rechte Hand des Admirals, und dieser entledigte sich dann zuerst mündlich seines Auftrags in portugiesischer Sprache. Sein Dolmetscher João Nuñez übertrug den Inhalt zunächst ins Arabische und wendete sich an den Sensal, dieser gab in der Landessprache das Wort weiter an den Brahmanen, durch welchen dann endlich die Botschaft an den König selbst gelangte. Darauf überreichte Gama knieend den Brief des Königs Manuel, nachdem er ihn geküßt, auf seine Augen und aufs Haupt gelegt hatte. Der Samorin nahm den Brief in die Hand, drückte ihn an die Brust mit beiden Händen, öffnete ihn und übergab ihn seinem Schatzmeister, um ihn sich übersetzen zu lassen; denn er war portugiesisch und arabisch abgefaßt. Es war darin, was Gama bereits mündlich ausgesprochen, der Wunsch ausgedrückt nach einem Freundschaftsbündnisse und friedlichen Handelsverkehr. Damit war die Audienz beendet, der Admiral kehrte unter Trompetenschall zur Factorei zurück, wo er zu Nacht blieb. Die bald darauf folgende briefliche Antwort des indischen Fürsten enthielt die Stelle: Vasco da Gama, ein Edelmann aus Eurem Hause, hat mein Reich besucht, worüber ich mich sehr gefreut habe. In meinem Lande gibt es Zimmt, Gewürznelken, Ingwer und Pfeffer in Fülle, ich habe Perlen und Edelgestein. Was ich von Euch wünsche, ist Gold, Silber, Korallen und Scharlach.
Damit war die Genehmigung zur Eröffnung des Handels ertheilt.
Am Lande wurden den Portugiesen Lagerhäuser eingeräumt und Diogo Dias zum Factor bestellt. Um nun den Handel einzuleiten, wurde zunächst das Marktgewicht festgestellt, dann der Preis der Waaren bestimmt. Gold und Silber galt nicht nach Gepräge, sondern nach Gewicht und Feingehalt; es stellte sich dabei der Silberpreis höher als in Portugal. Außer Edelmetallen gab der Factor auch Korallen, Quecksilber und Kupfer zum Tausch. Die eingehandelten Droguen wurden dann durch indische Böte zu den Schiffen gebracht. Die Portugiesen waren über den billigen Einkauf erfreut und der Schatzmeister konnte hinwieder seinem Herrn melden, die Christen zahlten doppelte Preise und nähmen auch die weniger guten Produkte, deren Annahme die Araber verweigerten. Durch die blinde Kauflust der Fremden verlockt, begannen die einheimischen Händler die Gewürze zu fälschen, mit fremden Körpern zu vermischen oder gar unbrauchbare Waaren, wie ungenießbaren Zimmt zu liefern. Der Factor gewahrte wohl den Betrug, nahm aber auch die schlechte Waare an, um vorläufig jeden Grund zu Mißhelligkeiten fernzuhalten.