JEREMIAS:
Beuge dich, beuge dich, Gesalbter des Herrn, um Jerusalems willen! Tu auf die Tore, tu auf ihm dein Herz! Du rettest, du rettest Jerusalem!
ZEDEKIA:
Mit dem Schwert will ich es retten und meines Lebens Preis, doch mit meiner Ehre nicht. Du weißt nicht, was du heischest von mir.
JEREMIAS:
Das Schwerste heische ich von dir, denn wem ziemt das Gewaltige denn den Gesalbten? Deines Herzens Kleinod, deinen Stolz opfre hin für die Stadt! Wirf dich hin vor jenen, wie ich mich hinwerfe vor dir, tu auf die Tore, tu auf dein Herz! Beuge dich, König Zedekia, denn besser, du beugest dich, denn daß Israel gebeuget werde.
ZEDEKIA:
In Spott willst du mich stoßen und dich weiden an meiner Schmach, du Rasender! Aber ich steh aufrecht und halte mein Erbe! Lieber sterben, als Gnade erbitten, lieber Vernichtung, denn diese Demut! Weg von mir, weg! Ich beuge mich nicht, keinem auf Erden beuge ich mich!
JEREMIAS (von den Knien sich gewaltig aufhebend):
Dann Fluch dem Öl, das dir salbte die Stirn, und Fluch der Krone, die dir die Stirne gürtet; Fluch dir, Davids Sohn, daß du nur deinen Hochmut schützest, dein irdisch Teil, statt daß du wahrest Jerusalem, dein Gottesteil. Aber höre mich ...