JEREMIAS:
So sage doch, zeuge, künde mir, daß ichs gewahr sei ... was hab ich vermocht? Eine Stadt hängt am Tode, und ihre Not verzehret mich ... von Träumen bin ich allnächtens umtan und schmerzhaft trächtig des Worts ... so sag, was vermocht ich wider den Herren der Stunde ... meine Warnung, wen warnete sie ... nicht daß er einen Boten sendete von Zelt zu Zelt ... nicht daß ein Mensch seine Schritte aufhübe als Bote des Friedens ... Oh, die Luft frißt meine Schreie, und das Gelächter der Menschen schluckt meine Schreie, zur Schande bin ich gezeugt und zur Plage geboren! Wem hab ich Freude geschenket? Ein Greuel bin ich den Gerechten und meiner Mutter Kümmernis. Kein Weib trägt ein Kind mir im Schoß, und kein Lebendiger glaubet meiner Rede!
BARUCH:
Ich glaube dir, ich laß dich nicht.
JEREMIAS:
Du glaubest mir ... noch immer ... dann hör mein Wort ... So du mir glaubest, verlaß mich! Denn du verderbest dich. Geh zu den andern, die Süße predigen und triefen von Verheißung, geh zu Hananja, der Sieg sagt, und nicht spotte ihrer mehr, denn wisse, sie sind besser denn ich. Ihre Lüge, sie zeuget noch Kühnheit, doch schlaff sind die Lenden meines Worts, sie wecken keinen Samen des Sieges. Ohnmacht nur zeugt meine Ohnmacht. Oh und sage, wer ist unnützer, denn der Friede schreit zwischen den Schwertern, wer törichter als der Weisheit Verkünder in der Trunkenen Mitte? Ist denn nicht Freude der Menschen Brot und die Hoffnung ihre Speise? Gesegnet, wer tröstet, verflucht, wer nur fluchet ... daß ihm darre die Zunge ... daß auslösche, der Anstoß ist und Ärgernis ...
BARUCH:
Nein, ich weiche nicht von dir ... Du bist der Große ... Dich hab ich erwählt um deines Leidens willen.
JEREMIAS:
Nicht lobe mich, nicht lobe mich ... mich verbrennet die Scham ... was hab ich denn Jerusalem zum Heile getan ... hab ich gebeugt des Königs Starrnis, hab ich zum Rechten geführt das irrend Volk, hab ich erweckt den Boten des Friedens mit meiner Rede Stachel? Nur geschrien habe ich und gefluchet, doch mein Geschrei war ein Blitz, der in Wasser fährt, und mein Fluch ein Wind, der nicht wehet ... wo ist meine Tat ... wem brachte ich Segen ... wo schuf ich den Frieden ... wo weckte ich den Boten zum Wege, da ich selber gestrauchelt ...