BARUCH:

Den König ... eile ihm nach ... entbrenne dein Wort, rette, rette Jerusalem!

JEREMIAS:

Den König! (In heißem Erschrecken um sich auf die leere Mauer starrend): Oh, fort ... fort ... versäumt ... verloren die heilige Stunde ... von Gott war er mir gesandt, in meine Hände geworfen, daß ich knetete seinen Willen, und ich ließ ihn entgleiten ... Blick in Blick war mir der Schwanke gegeben, und doch: wie Asche zerstäubte an seiner Stirne mein Wort ... Oh, Schmach über mich, daß so dürr war meine Rede, so laulich mein Atem ... Mit Fluch fiel ich ihn an, und mit Güte hat er mich geschlagen ... wer bin ich, daß man mir diente, wenn ich nicht diene dem Wort ... Oh, Fluch der Nessel meiner Rede ... Fluch der Distel meines Munds ...

BARUCH:

Noch einmal versuch es, und du zwingest ihn. Schon erschwankte sein Wille!

JEREMIAS:

Zu spät, zu spät, verloren ist die Stunde, die Gott mir erkor! Doch was wählete er auch mich, den Schwächling, was rief er Unkraft zu so gewaltig Beginnen! Warum tat er nur Galle des Fluches in meinen Mund und des Wortes bittern Wermut, warum die läutrige Flamme nicht, die entbrennet die Herzen der Menschen! Wer bin ich denn, Nichtiger, daß ich mich erfreche, seines Wortes Profeten mich zu nennen, Bruder der Erlauchten, wenn ich nicht Erbe bin ihrer Stärke? Königen umtaten sie den Zaum ihres Willens und beugeten der Völker Stirn, Feuer des Herrn fuhr voran ihrer Rede, doch ich, ich Dorn im Fleisch ihrer Qual, nicht ein Blatt vermag ich zu wenden mit meiner Seele Odem ... ein Speichelspeier nur bin ich, ein Tönen von Wirrsal und Wind ...

BARUCH:

Nicht quäle dich, Meister ... der Schmerz verwirret dich.