JEREMIAS:
Ich kann nicht! Ich kann nicht! Ein Wort brennt zwischen mir und dir wie des Engels Schwert.
DIE MUTTER:
Oh, der Fluch, den ich tausendmal selber verfluchte. Wind hat ihn zerblasen, mit dem Atem ist er verweht.
JEREMIAS:
Nein, Mutter, wach ist dein Fluch und alle Gassen rege deines Worts. Von den Häusern ist er gefahren wider mich, aus aller Menschen Mund sprang er mich an. Nicht dein Sohn, nicht atmend Fleisch bin ich mehr, nur Gelächter einer Welt, der Ausgestoßene bin ich worden meines Volks und der Zorn der Gerechten, der Vergessene Gottes und Ekel mir selbst. Allein, laß mich allein, abseits laß mich stehen im Dunkel, den Verfluchtesten aller!
DIE MUTTER:
Oh, mein Kind, und wärest du der Verstoßene einer Welt, in der Priester Bann und des Volkes Acht, und hätte selbst Gott dich verstoßen von seinem Antlitz, mein Kind bist du und mein selig Blut für immerdar! Für ihren Haß will ich dich lieben und segnen für ihren Fluch! Haben sie gespien auf dich, oh, komm, daß ich dich küsse; haben sie dich verstoßen, oh, komm, daß ich dich empfange; oh, kehr heim an mein Herz, da du ausgegangen. Süß ist mir deine Lippe, die bittere, und süß das Salz deiner Tränen, gesegnet mir dein Wandel für allezeit, kehrst du nur heim an mein mütterlich Herz ...
JEREMIAS (mit einem Aufschrei hinstürzend und in die Knie sinkend):
Oh, Mutter, du ewige Güte du! Oh, Mutter, du meine verlorene Welt!