BARUCH:
Ich war gegangen, Wasser zu holen vom Brunnen Moria. Da faßten sie mich von den Schultern her und griffen mich.
ABIMELECH:
Und wie weisest du, daß du sein Bote bist? Ist geschrieben Zeugnis dir gegeben, gesiegelte Schrift?
BARUCH:
Er ließ seinen Ring an meine Hand tun, daß ich kenntlich sei seinen Kriegern für Eingang und Widergang. (Er hebt die Hand mit dem Ringe.)
ABIMELECH:
Ich habe keine Frage mehr. Er rede seine Botschaft.
BARUCH:
Da mich die Krieger griffen vor dem Tore, schleppten sie mich in des Königs Zelt. Sie führten mich vor sein Angesicht und frugen, ein Ebräer sei gefangen und ob sie mich vom Leben zum Tode bringen sollten. Doch der König wehrete ihnen und hielt mich elf Monde bis zum gestrigen Tage, da er mich frug: „Willst du Botschaft bringen an den König Zedekia?“ Ich stund vor ihm ohne Furcht und sagte, daß ich willens sei. Da sprach Nabukadnezar: „Elf Monate lagere ich hier vor der Stadt, und ich habe geschworen, nicht eher zu weichen und bei einem Weibe zu liegen, bis diese Tore sich auftun vor mir. Doch nun ist des Harrens nicht länger. Lange habt ihr mir widerstanden, doch nun reifet der Zorn in mir: fürchtet seine Frucht! Will der König sich bedenken, so möge er eilen. Kein Volk hat mir besser widerstanden, gegen keines will ich milder sein, so ihr euch eilet, die Gnade zu nehmen.“