ZEDEKIA (aufgeschreckt aus seinem Zorn, starrt ihn fassungslos an. Dann in erwachendem Stolz):

Du meinst ... Nein, ich fürchte ihn nicht. Ich fürchte niemanden. Und ich weiß nicht, ob er mein Feind ist. Vielleicht war es töricht, vor ihm zu flüchten ... Vielleicht ... (Er geht unruhig auf und ab): Schwertträger!

SCHWERTTRÄGER:

Mein König?

ZEDEKIA:

Geh hinab und schließe auf die Düngergrube. Nimm mit deinen Bruder Nehemia, und bringet den Mann aus der Tiefe vor mich her. Geheim muß er gebracht werden und im geheimen wieder hinab.

(DER SCHWERTTRÄGER und sein Bruder eilig ab.)

ZEDEKIA (allein. Er spricht halblaut vor sich hin):

An jedem Kreuzweg hinter meinem Rücken und immer zu spät, und immer muß ich ihn hören. Warum rief ich nur Gott, der mir schweigt, und nicht alle, die sagen, daß er rede durch sie? Aber warum reden sie einer gegen den andern und widersprechen sich, wie ja dem nein? Wie sie erkennen, wie scheiden das Falsche vom Wahren? Furchtbar, furchtbar dieser Gott, der immer nur schweigt und dessen Boten keiner erfaßt!

(JEREMIAS erscheint, begleitet vom Schwertträger, der auf eine Gebärde Zedekias sofort den Raum verläßt. Sein Antlitz ist fahl und abgemagert, schwarz wie aus einem Totenschädel schauen die Augen aus einem weißen, knöchernen Gesicht. Er blickt den König ruhig forschend an.)