ZEDEKIA:

Wie kannst du es wissen? Keiner hat die Säcke gezählt, als Nachum, der Hüter. Wie gibst du vor, es zu wissen, der du beim Dünger liegst unter der Erde?

JEREMIAS:

Das Brot ist kleiner geworden und kleiner, das sie mir in die Grube reichen, kaum deckt mirs die Spanne der Hand. Und ich höre die Hunde winseln des Nachts und scharren in den Knochen, denn keiner wirft ihnen mehr Weiches zu. So ward mir die Not bewußt.

ZEDEKIA (noch gereizter):

Die Hunde wissen es in den Gassen, die Versenkten in ihrer Grube, und mich, den König, hat man heut es gelehrt. Auf den Gassen geht die Wahrheit um und weilet dort lange, ehe sie kommt zu den Königen.

JEREMIAS:

Wie soll Wahrheit dorthin eilen, wo Dünkel weilt? Ist ihr denn Willkomm bei den Königen? Hart ist das Ohr der Könige und nur aufgetan der Honigrede, ihre Hüften umgürtet mit Hochmut und ihre Füße umnestelt mit Schmeichlern. Sie meinen, die Hochmütigen, man könne Feuer fassen, ohne sich zu brennen, und ins Schwert greifen, ohne sich zu schneiden. Wer aber den Frieden stört, dem wird er verstöret werden, und wer Wind in die Welt gesäet, wird Sturm ernten in seiner Seele.

ZEDEKIA:

Jeremia, zum Rat habe ich dich gerufen, nicht zur Schmähung! Aus deiner Tiefe habe ich dich geholt, und keiner weiß es von ihnen, daß aus dem Brunnen, darein sie dich versenkten, Ratschluß ich hebe. Darum sprich zu mir wahrhaft und rate, ehe daß du schmähest. Willst du mir zu Willen sein?