JEREMIAS (wie in einem fürchterlichen Erwachen ihn anstarrend. Dann plötzlich grell auflachend, in vorbrechender Ekstase):
Mich?!
Du mich blenden, du Ruchloser!? Nein!
Anders hat Gottes Entschluß bestimmt!
Wohl wird einer geblendet sein,
Ehe der Tag noch sein Ende nimmt,
Doch jener, der längst schon verblendet war,
Als sein Auge noch blickte und sah: –
Höre mich, König Zedekia!
(ZEDEKIA hat ihn losgelassen und starrt ihn erschrocken an.)
JEREMIAS (mit beiden Fäusten auf ihn zu):
Dich
Werden sie fassen, des Königs Knechte
Im Hause Gottes, das du verstört,
Sie reißen die Rechte
Dir los vom Altar,
Daran sie zur Hilfe verklammert war!
Du willst dich wehren, sie brechen dein Schwert,
Umtun deine Arme mit eisernen Flechten
Und schleppen
Und schleifen dich über die Treppen,
Wie ein Opfertier mit Peitschen und Schlägen
Jenem entgegen,
Dessen Hand du verstoßen, dessen Joch du zerbrochen
Und der dir ein feuriges Urteil gesprochen!
(ZEDEKIA ist zurückgefahren und hebt wie abwehrend die Hände.)
JEREMIAS:
In die Knie
Knicken sie dich und stoßen dich sie,
Ein Feuer loht knisternd auf rundem Stein,
Vier Hände halten den Blendstahl hinein.
Heiß
Frißt die Hitze
Vom schwarzen Griff sich auf in die Spitze.
Sie glüht! Sie flammt! Sie wird rot! Sie wird weiß!
Und dann
Fassen dich rauh ihre Fäuste an,
Zischend und rauchend
Tauchen
Sie die Nacht dir in dein Auge hinein.
ZEDEKIA (aufschreiend und sich an die Augen greifend, wie ein Geblendeter):
Weh!