Oh, du Irrwitziger der Irrwitzigen, hast du wahrhaft gemeint, uns zu knechten, hast du gemeint, Gott vergäße unser, Gott vergäße Jerusalem? Sind wir denn sein Kind nicht und seines Namens Vermächtnis, seine Erstgeburt und Erbe, ist sein Geist nicht auf uns und sein Segen auf Abrahams Scheitel? Er hat uns gezüchtigt in unsern Sünden, doch er wird unser sich erbarmen, er hat zerstört, doch er wird wieder aufbauen, er hat uns zerstreut, doch seine Liebe wird uns wieder sammeln, und wären wir zerstreut bis an die Enden der Erde. Was seine Linke genommen, wird die Rechte uns heimgeben tausendfach, denn, ihr Brüder, ihr Brüder, eher mögen Berge stürzen und aufwärts fließen die Flüsse und verdunkeln des Himmels Gezelt, als daß Gott vergäße seines Bundes, daß er vergäße Israel, daß er versäumte Jerusalem!

(DIE GESANDTEN sind mit ratlosen Gebärden entschwunden.)

DER ÄLTESTE UND DIE ANDERN (umdrängen Jeremias von nah und begleiten seine Rede mit hymnischem Zuruf):

Segen auf dein Wort ... Segen über dein Haupt ... Gott vergißt nicht Jerusalem ... Oh, Verkündigung, selige Botschaft ... Segen auf dein Wort ... Segen über dich!

JEREMIAS (immer jauchzender, ohne ihrer zu achten):

Oh, wie dunkel doch waren die Tage der Erde, da dräuend die Brauen Gottes sich ballten und sein Antlitz sich hüllte seinem Kindern! In Finsternis waren wir zergangen, schon meinten wir zu ersterben in den Kerkern der Ängste. Aber, meine Brüder, seines Ingrimms Ende war seiner Liebe Anfang schon. Ein Wetter ist er hingefahren über unsern Häupten und hat uns zerschlagen, wie Rohr brach er die Kraft unseres Leibes, aber neu glänzt bald die Sonne seiner Gnade. Er wirft die Blitze aus den Händen, er heißt seine Donner schweigen, und im sanften Säuseln klingt seine Stimme. Oh, sie klingt, sie hebt an, süß zu vernehmen über Länder und Meere, mildiglich hebt sie an, und sie wird sprechen zu ihrer Stunde:

Stehe auf, Jerusalem,
Stehe auf, du Gekränkte,
Und fürchte dich nicht,
Denn ich erbarmte mich dein.
Ich habe dir gezürnet
Und dich einen kleinen Augenblick verlassen,
Aber nicht immerdar will ich mit dir hadern,
Und ich zürne nicht ewiglich.
Und darum, daß du die Verlassene gewesen bist
Und die Verstoßene einen Tag,
Sollst du die Prächtige sein für und für
Und die Erhobene in aller Ewigkeit.
Ich will dich schmücken mit meiner Liebe
Und gürten mit meinem Frieden,
Mein Antlitz hat sich dir zugewendet,
Und mein Segen ist deinem Scheitel gesenkt.
So stehe auf, Jerusalem,
Stehe auf,
Denn ich hab dich erlöset!

DER ÄLTESTE:

Segen über dein Wort und Erfüllung!

DIE ANDERN: