JEREMIAS:

Damit wir ihn erkennen, sendet Gott uns die Prüfung. Andern Völkern ist klein Zeichen und gering Erkennen gegeben, in Hölzern und Steinen meinen sie des Ewigen Gesicht zu erschauen. Doch unser Gott, unserer Väter Gott, ein verborgener Gott ist er, und erst in der Tiefe des Leidens werden wir seiner gewahr, nur in der Prüfung tut er sich auf seinen Erwählten. Segen, wem sie begegnet, denn was wäre Israel unter den Völkern, prüfte es nicht ewig sein Gott? Wen er liebet, den stößt er hinab in die Tiefe des Lebens, daß er ihn erprobe, und, ihr Brüder, immer hat Gott sein Volk geliebt, immer hat er es hinabgestoßen.

STIMMEN:

Ja, er redet recht ... nein, gütig ist Gott ... verstehet ihn recht ... ja, es steht geschrieben: „Selig der Mensch, den Gott strafet, darum weigert euch der Züchtigung des Allmächtigen nicht“ ... Ja, ja ... so steht es geschrieben ... nur die Sünder strafet er ... was haben wir getan ... Vergessen haben wir seiner in Hoffart ... nie rief ich ihn an wie jetzt in der Not ... wahr redet er ... Tröstung ist in seinen Worten ...

JEREMIAS:

Nur die Geprüften hat er erwählet, und nur den Leidenden gilt seine Liebe. So lasset uns die Geprüften sein und lieben sein Leid, ihr Brüder! Er hat uns brüchig gemacht, daß er tiefer sich senke in unseres Herzens Scholle und wir fruchtend würden seines Samens, er hat uns geschwächet am Leibe, daß er uns stärkte in der Seele. Oh, willig lasset uns eingehen in die Schmelzfeuer seines Willens um der Läuterung willen. Tut, wie eure Väter taten, und weigert euch der Züchtigung des Allmächtigen nicht!

STIMMEN:

Geben wir uns hin seinem Willen ... gepriesen die Prüfung ... ich will die Klage zerschlagen in meinem Munde ... ja ... auch sie waren in Knechtschaft, und er hat sie erlöset ... auch uns wird er hören ... ja ... ja ... oh, daß er unser sich erbarmte ... sage, du Verkünder, wird er uns wieder aufnehmen ... gibt er uns Erhebung ... erlöst er uns von Babel ... laß es uns glauben ...

JEREMIAS:

Glaubet an die Erstehung, ihr Brüder, und ihr seid schon erstanden. Denn wer sind wir, wenn wir nicht gläubig sind? Nicht ward uns wie andern Völkern Scholle gegeben, daran zu kleben, Heimat, darin zu verharren, nicht die Rast, darin unser Herz fett werde! Nicht zum Frieden sind wir erwählet unter den Völkern: Weltwanderschaft ist unser Zelt, Mühsal unser Acker und Gott unsere Heimat in der Zeit. Aber nicht neidet sie darob, nicht klaget! Lasset den andern ihr Glück und den Stolz, lasset ihnen Haus und die Heimstatt der Erde, du aber lasse dich prüfen, du Leidensvolk, und glaube, du Gottesvolk, denn das Leid ist dein heilig Erbe, und ihm einzig bist du erwählet um deiner Ewigkeit willen.