(DIE POSAUNE schallt mächtig zum zweiten Male. Es ist ganz hell geworden, offen regt sich der unübersehbare Tumult der wanderbereiten Massen, die mit einem gewaltigen Schrei der Ungeduld und der Erhebung das Zeichen des Auszuges grüßen.)
JEREMIAS (hoch über ihnen):
Wandervolk, Leidvolk – im heiligen Namen
Jakobs, der von Gott einst dir Segen entrang –
Hebe dich auf, in die Welt zu fahren,
Rüste und schreite unendlichen Gang!
Wirf deinen Samen
Willig ins Dunkel der Völker und Jahre,
Wandre dein Wandern und leide dein Leid!
Auf, du Gottvolk! Beginn deine wunderbare
Heimkehr durch Welt in die Ewigkeit!
(DIE MENGE gerät in mächtige Bewegung. Schweigend ordnet sich ein ungeheurer Zug. Voran tragen sie den König in einer Sänfte, dann schreiten ernst und feierlich, Geschlecht um Geschlecht, die geordneten Gruppen den Weg gegen die Tore. Ihre Blicke sind aufwärts gerichtet, sie singen im Schreiten, und ihr Ausziehen hat die ernste Feierlichkeit einer Opferhandlung. Keiner drängt sich vor, keiner bleibt zurück, ohne Eile und Hast schreiten die Reihen dahin und schwinden im Vorbeigehen. Immer neue kommen ihnen nach, und es ist, als ginge eine Unendlichkeit hier aus dem Dunkel in die Ferne.)
STIMME DER SCHREITENDEN:
In fremden Häusern werden wir wohnen
Und brechen ein tränensalzenes Brot.
Auf Schemeln der Schande werden wir sitzen
Und ängstend schlafen an feindlichem Herd.
Dunkel der Jahre wird über uns fallen,
Der Könige Fron und der Herrschenden Haft,
Doch unsere Seelen entwandern der Fremde
Und ruhen allzeit in Jerusalem.
ANDERE STIMMEN DER SCHREITENDEN:
Aus weiten Wassern werden wir trinken,
Die bitter brennen dem sehnenden Mund,
Mit Fremdnis werden uns Bäume umschatten
Und Stimmen des Ängstens wehen der Wind,
Doch keine Fremde wird uns zur Ferne,
Denn von den Sternen wehet uns Tröstung;
Träume der Heimat enttauchen den Nächten,
Und unsere Seele erstehet gekräftigt
Von der heiligen Zehrung Jerusalem!
ANDERE STIMMEN DER SCHREITENDEN:
Auf fremden Straßen werden wir fahren,
Durch Land und Länder stößt uns der Wind,
Heimat um Heimat reißen die Völker
Uns von den brennenden Sohlen fort,
Nirgends ist Wurzel dem stürzenden Stamme,
Wanderschaft stets unsere wandelnde Welt,
Doch selig, selig wir Weltbesiegten,
Denn sind wir auch nur Spreu aller Straßen,
Nirgends verschwistert und keinem genehm,
Ewig doch geht unser Zug durch die Zeiten
Zu unserer Seelen Jerusalem!