437I.

AN-IMAGINATION

Der leidenschaftliche Mensch, der junge Jean-Jacques haftet sich an die Weisungen seiner Einbildungskraft, Robert tut nur, was er unmittelbar wahrnimmt. Der Verfasser dachte öfters daran, einen jungen Menschen zu gestalten, der aus der Welt einer bestimmten Epoche, z.B. der Welt von 1811, zu Glück und Ruhm aufsteigt, 1811: Cambacèrés, der Staatsrat, der Kaiserliche Hof in den Tuilerien etc.

Der Verfasser wollte vor zehn Jahren einen zärtlichen und anständigen jungen Mann gestalten, und er machte ihn ehrgeizig, aber doch voller Imaginationen und Illusion: Julien Sorel.

Er möchte nun diesen Robert völlig frei von jeder Imagination gestalten außer dieser einen, die dazu dient, alle die nötigen Schliche zu erfinden, um zu Reichtum zu gelangen; aber Robert gibt sich keineswegs dem müßigen Vergnügen hin, sich den Reichtum und dessen Genüsse vorzustellen. Erfahrung hat ihm schon beigebracht, daß sich derlei müßige Träumereien niemals realisieren. Alors comme alors ist sein Wahlspruch.

Küßt er die schönste Frau, so sieht er nur, was auch der ausgedörrteste Jockey nicht zu leugnen wüßte, nämlich Schönheit und Wert ihrer Ohrgehänge. Indem 438Robert seiner Einbildung nicht das geringste Vergnügen verdankt, schenkt er der Bequemlichkeit seines Fauteuil größte Aufmerksamkeit, der Qualität seines Diners, dem Komfortablen seiner Wohnung etc. etc.

Robert ist, was das Herz anlangt, mit vierzehn Jahren ein vollendeter kleiner Lump. Er stiehlt Bonbons aus den Auslagen der kleinen Händler, gemeinsam mit seinem sechzehnjährigen Kameraden Carière. Dieser Carière hat keinerlei freundschaftliche Gefühle für Robert, erhofft sich aber von dessen Geschicklichkeit Annehmlichkeiten. Der Verfasser erzählt von Carière, dem Bastard einer diebischen Kammerfrau. Carière ist anständig nur eigentlich aus Mangel an Geist; man glaubt, er verspreche was für die Zukunft. Dadurch ist er Robert von Nutzen; Carière zieht sich aus allen Einzelheiten geschickt heraus, hat in der Hauptsache das gleiche Verdienst wie Robert: sein Auge ist nie vom Hauch des Imaginären getrübt.

Er erkennt, was in seinem Interesse liegt, aber er steckt voll kleinem Stolz. Diese Schwäche liefert das Komische der Figur. Auch Robert ist nicht ohne diese selbstgefällige Eitelkeit, aber er verneint sie. Carière liefert das Komische.

Bertrand, höchst simplen Wesens, führt Roberts Befehle aus, ohne sie zu verstehen.

Damit der Robert Effekt mache, muß man ihn handeln sehen.