„Wer ihn wohl geschrieben haben mag,“ sagte sie, „ich kenne die Handschrift nicht.“
Und als Monaldeschi schwieg, sagte sie: „Welche Strafe verdient wohl der Schreiber solcher Böswilligkeiten?“
„Sicher den Tod,“ sagte der Marchese, „den Tod, den ihm Eure Majestät wählen.“
„Den Tod, meint Ihr? Ich werde mich Eures Urteils erinnern. Denkt daran.“
Die Furcht, in die Monaldeschi nach dieser Unterredung geriet, ließ ihn zu Santinelli gehen, von dem er wußte, daß er einige ähnliche Schreiben verwahre; er wollte von ihm erfahren, ob die Königin auf ihn einen Verdacht geworfen habe. Doch Santinelli beruhigte ihn derart, daß Monaldeschi ahnungslos in den Tod ging.
Die Königin ließ eines Tages einen Edelmann ihrer Leibwache kommen und gab ihm den Auftrag, am 432nächsten Morgen in einem entlegenen Zimmer den Marchese Monaldeschi heimlich und ohne Lärm mit einem Degenstoß ins Herz beiseite zu schaffen. Auch einen Mönch ließ sie sich bereithalten, den Marchese auf sein Ende vorzubereiten. Der Mönch bat die Königin, ihm solchen schweren Auftrag zu erlassen, da ihm sonst die Ungnade des Königs sicher sei. Doch sie gab ihm ihr Wort, daß er nichts zu befürchten habe, und versprach ihm eine Belohnung.
Andern Morgens ließ sie Monaldeschi in den Garten rufen; sie zeigte ihm wieder einen Brief und neben diesen hielt sie seine Handschrift: er konnte nicht mehr leugnen. Er fiel der Königin zu Füßen und bat um Gnade. Die Königin sagte: „Was Euer Seelenheil anbetrifft, so habe ich Euch der Huld Gottes empfohlen; was mich betrifft, so verzeih ich Euch. Ihr habt in Eurer Sache selbst gerichtet. Euer Urteil soll vollstreckt werden.“ Damit verließ sie ihn. Zwei Leute hielten den Marchese fest, der ihr nachspringen wollte, und führten ihn in ein abgelegenes Gartenzimmer, wo er, wie sie ihm sagten, gefangen bleiben sollte. Da traf er den Mönch, der ihm auf Befehl der Königin das Urteil verkündete.
Auf Ansuchen des Marchese begab sich der Mönch zur Königin und bat um das Leben; aber die rachsüchtige Frau bestand auf seinem sofortigen Tode. So bat der Mönch den Marchese, sich zum Tode vorzubereiten und seine Sünden zu beichten, zumal die Henker schon warteten. Aber der Marchese verweigerte die Beichte, in ungeheurer Wut durch das Gemach stampfend. Da überfielen ihn jene beiden; und der eine stach nach ihm mit dem Degen; doch glitt er am Wamse ab. Ein zweiter Stich, den er abwehren wollte, durchbohrte 433ihm die Hand und verletzte ihn am Kopfe. Jetzt erst, aus zwei Wunden blutend, verlangte er zu beichten, was die beiden Mörder nur auf Bitten des Mönchs gewährten, der nicht mehr wußte, in welcher Welt er lebte. Nach der Absolution wollte Monaldeschi sein Wams ablegen, um einem Stoß ins Herz freien Weg zu geben; aber als er sein Kleid auszog, drangen ihm zwei Degen durch den Hals, daß er aufstöhnend verschied. ‚Herr Jesus‘ war sein letztes Wort. Den Leichnam schnürte man in eine Decke und vergrub ihn gar kläglich neben einer nahen Kirche, rasch, damit man von dem Tode nichts erführe. Aber es kam doch dem König zu Ohren, der genaues wissen wollte. Er war nah daran, die Königin aus dem Reiche zu verweisen. Er ließ den toten Marchese ausgraben und mit allem Pomp beisetzen, auf daß jeder von der grausamen Tat der blutdürstigen Frau erfahre. Hatte der König vor jener Tat die Königin mit seinem Besuche beehrt, so brach er nun jeden Verkehr mit ihr ab; worin sie eine Beleidigung sah und abreisen wollte. Sie wollte das, um ihre Mißachtung gegen den König damit auszudrücken, ohne jede Förmlichkeit tun; aber der König, der den Tag ihrer Abreise erfahren hatte, besuchte sie und verabschiedete sich kurz von ihr. Soldaten eskortierten sie ein paar Meilen weit; es sah wie eine Ehrung aus, aber es geschah zu ihrer Bestrafung, denn die Soldaten begleiteten sie wie eine Gefangene.