Als ihm auf Befehl des Kapitäns das Stilett, das er an der Seite trug, abgenommen wurde, lehnte er sich an die Fensterbrüstung und begann sich mit einer kleinen Schere, welche dort lag, die Nägel zu schneiden.
Man fragte ihn, welche Personen er in seinem Hause hätte; er nannte unter den andren den Obersten Liveroto und den Grafen Montemelino, von denen schon die Rede war, und sagte, daß er für den einen von ihnen zehntausend Piaster und für den andern sogar sein Blut hingäbe, könnte er sie freikaufen. Er forderte, an einem Ort in Gewahrsam gehalten zu werden, wie es einem Manne seiner Stellung zukomme. Als man sich darüber geeinigt hatte, schrieb er seinen Leuten eigenhändig und befahl ihnen, sich zu ergeben; seinen Ring legte er als Zeichen bei. Er sagte dann Signor Anselmo, daß er ihm seinen Degen und seine Flinte schenke und bat ihn, wenn diese Waffen in seinem Hause gefunden würden, sich ihrer ihm zu Ehren zu bedienen, da es Waffen eines Edelmanns seien und nicht die eines gewöhnlichen Soldaten.
Die Soldaten drangen in sein Haus, durchsuchten es 195mit Sorgfalt, und auf der Stelle ließ man die Leute des Fürsten antreten, von denen noch vierunddreißig am Leben waren, dann wurden sie, zwei und zwei, in das Gefängnis des Palastes geführt. Die Toten wurden den Hunden zur Beute gelassen und man beeilte sich, von all dem in Venedig Rechenschaft abzulegen.
Man bemerkte, daß viele Soldaten des Fürsten Luigi, Komplizen der Tat, nicht zu finden waren; man verbot, ihnen Schutz zu gewähren, und Zuwiderhandelnden sollten die Häuser zerstört und ihre Güter konfisziert werden; wer sie denunzieren würde, sollte fünfzig Piaster erhalten. Auf diese Weise fand man ihrer mehrere.
Man schickte eine Fregatte von Venedig nach Kandia aus, mit dem Befehl für Signor Latino Orsini, daß er unverzüglich wegen einer Angelegenheit von höchster Wichtigkeit zurückkehren möge; und man glaubt, daß er seine Stellung verlieren wird.
Gestern früh, am Tage des heiligen Stephan, erwartete alle Welt den Fürsten Luigi sterben zu sehen oder zu hören, daß er im Gefängnis erwürgt worden sei; und man war allgemein überrascht, daß es anders geschah, weil er doch kein Vogel wäre, den man lang im Käfig halten dürfte. Aber in der folgenden Nacht fand der Prozeß statt und am Tage von San Giovanni, ein wenig vor Sonnenaufgang, erfuhr man, daß der Herr erdrosselt worden und in sehr guter Haltung gestorben sei. Sein Leichnam wurde ohne Verzug in die Kathedrale gebracht, vom Klerus dieser Kirche und von den Jesuitenvätern geleitet. Er blieb den ganzen Tag über auf einem Tisch in der Mitte der Kirche aufgebahrt, um dem Volk als Schauspiel zu dienen und den Unerfahrenen zur Lehre.
196Am nächsten Morgen wurde die Leiche nach Venedig überführt, wie der Fürst es in seinem Testament angeordnet hatte; und dort wurde er begraben.
Am Samstag hängte man zwei seiner Leute; der erste und vornehmere war Furio Savorgnano, der andre war ein gemeiner Mann.
Am Montag, dem vorletzten Tag des Jahrs, hängte man noch dreizehn, von denen mehrere sehr vornehm waren; zwei weitere, der eine war der Kapitän Splendiano und der andre der Graf Paganello, wurden auf den Richtplatz geführt und dabei leicht mit Zangen gezwickt; auf der Richtstätte angelangt, wurden sie niedergeschlagen, man brach ihnen den Schädel und schnitt sie noch fast lebendig in Stücke. Es waren Edelleute, und bevor sie auf den schlechten Weg gerieten, sehr reich. Man sagt, daß es Graf Paganello war, der Vittoria Accoramboni so grausam getötet habe, wie wir es berichtet haben. Andre hielten dem entgegen, daß Fürst Luigi in seinem aufgefangenen Brief bezeugt, daß er die Tat mit eigner Hand ausgeführt habe. Vielleicht war es nur Ruhmsucht wie damals in Rom, als er Vitelli ermorden ließ, oder geschah wohl auch, um sich die Gunst des Fürsten Virginio noch mehr zu sichern.
Bevor Graf Paganello den tödlichen Stoß erhielt, wurde er mit einem Messer wiederholt unter der linken Brust durchbohrt, um sein Herz zu treffen, so wie er es der armen Frau gemacht hatte. Dabei geschah es, daß das Blut wie ein Strom aus der Brust floß. Er lebte so noch länger als eine halbe Stunde, zum großen Staunen aller. Er war ein Mann von fünfundvierzig Jahren, von sehr kräftiger Natur.