Kurz darauf brachte ein anderer Artillerietreffer ein Stück Mauerwerk des Hauses zu Fall und zugleich damit stürzte Graf Montemelino aus Perugia und starb unter den Trümmern, ganz von dem Geschoß zerschmettert.
Darauf sah man eine Persönlichkeit, genannt Oberst Lorenzo, von edlem Geschlecht aus Camerino, aus dem Haus treten, einen sehr reichen Herrn, der bei verschiedenen Gelegenheiten Proben seines Werts gegeben hatte und vom Fürsten sehr geschätzt wurde. Er beschloß, nicht gänzlich ungerächt zu sterben, er wollte sein Gewehr abfeuern, aber während er das Rad drehte, geschah es, vielleicht mit dem Willen Gottes, daß sein Gewehr nicht Feuer gab und in diesem Augenblick ging ihm eine Kugel durch den Leib. Der Schuß war von einem armen Teufel getan, einem Repetitor der Schüler von San Michele. Und als dieser sich nun näherte, um dem Oberst, wegen der ausgesetzten Belohnung, den Kopf abzuschneiden, kamen ihm andre zuvor, die schneller und vor allem stärker waren als er, nahmen die Börse, den Gürtel, die Flinte, das Geld und die Ringe des Obersten und schnitten das Haupt ab.
Diejenigen, in welche Fürst Luigi das größte Vertrauen gesetzt hatte, waren tot; er blieb sehr bestürzt, und man konnte beobachten, daß er keine Bewegung mehr machte.
Signor Filenfi, sein Haushofmeister und Sekretär, machte vom Balkon aus Zeichen mit einem weißen Taschentuch, daß er sich ergeben wolle. Er kam heraus 193und wurde nach der Festung geführt: „unter dem Arm“, wie es Kriegsgebrauch sein soll; durch Anselmo Suardo, Leutnant der Polizei. Er wurde sogleich verhört und sagte, daß er keine Schuld an den Geschehnissen habe, weil er erst am Weihnachtsabend von Venedig gekommen sei, wo er sich mehrere Tage in [Angelegeheiten] des Fürsten aufgehalten habe.
Man fragte ihn, wieviel Leute der Fürst bei sich habe; er antwortete: „zwanzig oder dreißig Mann.“
Man fragte nach ihren Namen, er sagte, daß acht oder zehn von ihnen, als Standespersonen gleich ihm an der Tafel des Fürsten speisten und daß er deren Namen wisse, doch besäße er von den anderen, die ein unstetes Leben führten und erst seit kurzem beim Fürsten eingetreten wären, keine nähere Kenntnis.
Er nannte dreizehn Personen, darunter den Bruder von Liveroto.
Kurz darauf begann die Artillerie auf den Stadtmauern zu spielen. Die Soldaten besetzten die Häuser, die an den Palast des Fürsten grenzten, um die Flucht seiner Leute zu verhindern. Der Fürst, der in gleicher Gefahr gewesen war, wie jene, deren Tod wir erzählt haben, sagte denen, die ihn umgaben, sie möchten ausharren, bis sie ein Schreiben von seiner Hand und ein bestimmtes Zeichen gesehen hätten; danach ergab er sich dem schon erwähnten Anselmo Suardo. Und weil man ihn wegen der Menschenmassen und der in den Straßen errichteten Barrikaden nicht wie es vorgeschrieben war, im Wagen abführen konnte, wurde beschlossen, daß er zu Fuß ginge.
Er ging, umgeben von den Leuten des Marcello Accoramboni; ihm zu Seiten waren die Herren Condottieri, der Leutnant Suardo, andre Spitzen und Edelleute der 194Stadt, alle wohl mit Waffen versehen. Daran schloß gut eine Kompagnie Bewaffneter und Stadtsoldaten. Fürst Luigi ging braun gekleidet, sein Stilett an der Seite und seinen Mantel unter dem Arm, ihn in elegantester Weise tragend; er sagte mit einem Lächeln voller Verachtung: „Wenn ich gekämpft hätte!“ Er wollte beinahe zu verstehen geben, daß er den Sieg davongetragen hätte. Vor die Signoria geführt, grüßte er und sagte, auf Signor Anselmo weisend:
„Meine Herren, ich bin der Gefangene dieses Edelmannes und bin sehr ungehalten über das, was ohne mein Darzutun geschehen ist.“