Endlich setzte man noch Barken auf den Fluß, dem Hause des Fürsten gegenüber und zu dessen beiden Seiten; welche von Bewaffneten mit Musketen besetzt waren, die den Feind bei einem Ausbruchsversuch beunruhigen sollten; gleichzeitig wurden in allen Straßen Barrikaden errichtet.

Während dieser Vorbereitungen traf ein Schreiben ein, das in sehr gemäßigtem Ton gehalten war. In diesem beklagte sich der Fürst, weil man ihn für schuldig halte und als Feind, ja sogar als Rebell behandle, bevor man die Angelegenheit geprüft habe. Dieser Brief war von Liveroto verfaßt worden.

Am 27. Dezember wurden drei Edelleute, die hervorragendsten der Stadt, von den Behörden zu Fürst Luigi gesandt, welcher bei sich im Hause vierzig Männer, lauter alte kampfgewohnte Soldaten hatte. Man fand sie damit beschäftigt, sich hinter einer Brustwehr aus Balken und mit Wasser getränkten Matten zur Verteidigung einzurichten, und ihre Flinten vorzubereiten.

Die drei Edelleute erklärten dem Fürsten, daß die Behörden entschlossen seien, sich seiner Person zu bemächtigen; sie forderten ihn auf, sich zu ergeben und 190fügten hinzu, daß er durch diesen Schritt, bevor es noch zum Angriff gekommen sei, einige Barmherzigkeit erhoffen könne. Worauf Fürst Luigi antwortete: daß vor allem die Wachen rings um sein Haus entfernt werden sollten, dann würde er sich von zwei oder drei der Seinen begleitet, zu den Behörden begeben, um über die Sache zu verhandeln; aber nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß es ihm immer freistände, sich in sein Haus zurückzubegeben.

Die Abgesandten übernahmen diese, von seiner Hand geschriebenen Vorschläge und kehrten zu den Behörden zurück, welche diese Bedingungen zurückwiesen; hauptsächlich nach dem Rat des sehr illustren Pio Enea und anderer anwesender vornehmer Herren. Die Abgesandten kehrten zum Fürsten zurück und kündigten ihm an: wenn er sich nicht einfach und ohne jeden Vorbehalt ergebe, werde man sein Haus durch Artillerie wegfegen lassen; worauf er antwortete, daß er den Tod diesem Akte der Unterwerfung vorzöge.

Die Behörden gaben das Signal zum Angriff und obwohl man das Haus fast mit einer einzigen Salve hätte zerstören können, zog man es vor, zuerst mit einer gewissen Vorsicht vorzugehen, um zu sehen, ob die Belagerten sich nicht doch ergeben wollten.

Dieser Ausweg glückte und man hat dadurch San Marco viel Geld erspart, das der Wiederaufbau der zerstörten Teile des angegriffenen Palastes gekostet haben würde; indessen wurde er nicht allgemein gebilligt. Hätten die Leute des Signor Luigi ohne Zögern ihren Entschluß gefaßt und einen Sturm aus dem Hause gewagt, so wäre die Entscheidung höchst unsicher gewesen. Es waren alte Soldaten, es fehlte ihnen weder an Munition, noch an Waffen, noch an Mut, sie hatten das größte 191Interesse zu siegen, denn war es nicht, selbst den schlimmsten Fall angenommen, besser für sie, durch einen Flintenschuß zu sterben, als durch die Hand des Henkers? Übrigens, mit wem hatten sie es denn zu tun? Mit armseligen Belagerern, wenig erfahren in den Waffen; und in diesem Fall hätten die edlen Herren ihre Klugheit und natürliche Milde bereut.

Man begann also die Kolonnaden an der Vorderseite des Palastes zu beschießen, dann — immer ein wenig höher zielend — zerstörte man die Mauerfront dahinter. Während dieser Zeit unterhielten die Leute aus dem Innern ein starkes Gewehrfeuer, doch ohne andre Wirkung, als daß ein Mann aus dem Volk an der Schulter verwundet wurde.

Signor Luigi schrie mit großem Ungestüm: Kampf! Kampf! Krieg! Krieg! Er war eifrig beschäftigt, Kugeln aus dem Zinn der Schüsseln und aus dem Blei der Fensterrahmen gießen zu lassen. Er drohte einen Ausfall zu machen, doch die Belagerer griffen zu neuen Maßnahmen und man ließ Artillerie schwersten Kalibers vorrücken.

Beim ersten Schuß stürzte ein großes Stück des Hauses zusammen und ein gewisser Pandolfo Leopratti aus Camerino geriet unter die Trümmer. Das war ein Mann von großem Mut und ein Bandit von Ruf. Er war aus den Staaten der Heiligen Kirche verbannt und der illustre Signor Vitelli hatte auf seinen Kopf einen Preis von vierhundert Piastern gesetzt, aus Anlaß der Ermordung von Vincenzo Vitelli, der in seinem Wagen angegriffen und durch Flintenschüsse und Dolchstiche ermordet worden war, die ihm Fürst Luigi Orsini durch den Arm des genannten Pandolfo und seiner Genossen verabreichen ließ. Ganz betäubt von seinem Sturz konnte 192Pandolfo keine Bewegung machen; ein Bediensteter der Herren Caidi Lista näherte sich ihm, eine Pistole in der Hand und schnitt ihm tapfer den Kopf ab, den er eiligst nach der Festung brachte und den Behörden ablieferte.