„In welchem Dreck hast du dein Giacco aufgelesen?“ schrie Fabio.

Im gleichen Augenblick fand Giulio die Gelegenheit, die er seit einer halben Minute suchte. Das stolze Panzerhemd Fabios deckte den Hals nicht genug, und Giulio führte nach dieser kleinen ungedeckten Stelle des Halses einen Stoß, der saß. Giulios Schwert drang einen halben Fuß weit in die Gurgel Fabios und ließ einen mächtigen Blutstrahl hervorspringen.

„Unverschämter“, schrie Giulio dabei und galoppierte auf die Rotgekleideten zu, von denen zwei, hundert Schritte von ihm entfernt, noch zu Pferd waren; als er sich näherte, fiel der dritte Henker, aber im Augenblick, wo Giulio dem vierten schon ganz nahe war, drückte dieser, da er sich von mehr als zehn Reitern umzingelt sah, gegen den unglücklichen Bandini eine Pistole aus nächster Nähe los, so daß er zu Boden fiel.

„Meine werten Herrn, wir haben hier nichts mehr zu tun!“ rief Branciforte, „machen wir diese Schurken von Sbirren nieder, die nach allen Seiten davonlaufen.“

Alles folgte ihm.

Als Giulio eine halbe Stunde später in die Nähe Fabrizio Colonnas zurückkehrte, richtete dieser große Herr zum erstenmal das Wort an ihn. Giulio fand ihn trunken vor Zorn, während er geglaubt hatte, ihn vor Freude entzückt zu finden; denn der Sieg war vollständig gewesen und gänzlich seinen guten Anordnungen zu verdanken; denn die Orsini hatten nahezu dreitausend Mann und Fabrizio hatte für diese Sache nicht mehr als fünfzehnhundert aufgeboten.

„Wir haben unsern tapfren Freund Ranuccio verloren,“ 249sagte der Fürst zu Giulio, „ich komme eben von seiner Leiche, er ist schon kalt. Und der arme Balthasar Bandini ist tödlich verwundet. Also haben wir im Grunde nicht gesiegt. Doch der Schatten des tapfren Kapitäns Ranuccio wird wohl begleitet vor Pluto erscheinen. Ich habe Befehl gegeben, alle diese gefangenen Schurken an die Bäume zu knüpfen. Versäumt das nicht, meine Herren!“ rief er mit erhobener Stimme.

Und er ritt im Galopp zu der Stelle, wo der Kampf der Vorhut stattgefunden hatte. Giulio kommandierte als Vertreter Ranuccios dessen Abteilung; er folgte dem Fürsten, welcher bei dem Leichnam dieses tapfren Soldaten, der von mehr als fünfzig gefallenen Feinden umgeben war, zum zweitenmal vom Pferd stieg, um die Hand Ranuccios zu drücken. Giulio tat weinend das gleiche.

„Du bist noch sehr jung,“ sagte der Fürst zu Giulio, „aber ich sehe dich vom Blut bedeckt und dein Vater war ein tapfrer Mann, der mehr als zwanzig Wunden im Dienst der Colonna erhalten hatte. Übernimm die Führung derer, die von Ranuccios Abteilung übrig sind und geleite seine Leiche in unsre Kirche in La Petrella; vergiß aber nicht, daß du unterwegs angegriffen werden kannst.“

Giulio wurde nicht angegriffen, aber er tötete mit einem Degenhieb einen seiner Soldaten, der ihm sagte, daß er zu jung wäre, um zu befehlen. Diese Unklugheit hatte Erfolg, weil Giulio noch von Fabios Blut bedeckt war. Die ganze Straße entlang fand er die Bäume mit Männern beladen, welche man aufgehängt hatte. Dieses gräßliche Schauspiel, verbunden mit Ranuccios und besonders mit Fabios Tod, machten ihn fast wahnsinnig. 250Seine einzige Hoffnung war, daß man nicht den Namen von Fabios Besieger wußte.