Mitten in der Nacht kam sie zu ihm. Er gestand ihr seinen Wankelmut und den Kampf, der zwischen seiner Liebe und dem großen Worte Vaterland tobte. Vanina war glückselig.
Sie sagte sich: »Hätte er die reine Wahl zwischen dem Vaterland und mir, so entschiede er sich für mich.«
Die Uhr des nahen Kirchturms schlug drei. Der Augenblick des letzten Abschieds war gekommen. Pietro entriß sich den Armen seiner Geliebten. Eben wollte er die kleine Treppe hinunterschleichen, als Vanina unter Bezwingung ihrer Tränen zu ihm sagte:
»Wenn dich eine arme Bäurin in einem Dorfe gepflegt hätte, würdest du dich ihr nicht irgendwie erkenntlich zeigen? Vielleicht würdest du sie bezahlen wollen ... Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Du begibst dich mitten unter deine Feinde. Schenk mir aus Dankbarkeit drei Tage. Nimm an, ich wäre ein armes Weib, das du für deine Pflege bezahltest!«
Missirilli blieb.
Endlich verließ er Rom mit einem Paß, der auf einer ausländischen Gesandtschaft erkauft war. So gelangte er in seine Heimat. Die Freude der Seinen war groß. Man hatte ihn tot gewähnt. Seine Freunde wollten zur Feier seiner Wiederkehr sogleich ein paar Karabinieri töten. So hießen die Gendarmen im Kirchenstaat.
Missirilli hielt sie davon ab:
»Tötet ohne Not keinen Italiener, der sich auf das Waffenhandwerk versteht. Unser Vaterland ist keine Insel wie das glückliche Britannien. Es fehlt uns an Soldaten, um die Einmischungen der europäischen Monarchen abzuwehren.«
Kurz darauf ward Missirilli von Karabinieri angehalten. Zwei von ihnen schoß er mit den Pistolen nieder, die ihm Vanina gegeben hatte.